Respekt und Perspektive
Jurysitzung beim db-Wettbewerb »Respekt und Perspektive« (Bild: Martin Höchst)
Wettbewerbsdokumentation Bauen-im-Bestand-Preis

Wer sind die Sieger? Und weshalb?

Durch über 200 Einreichungen wühlten sich die Juroren des db-Architekturpreises »Respekt und Perspektive«. Was die 10 Siegerprojekte von ihren rund 200 Mitbewerbern unterscheidet, erfahren Sie in der frisch erschienenen Wettbewerbsdokumentation.

Dem Wettbewerb Bauen im Bestand widmet sich der aktuelle Heftteil db-Metamorphose in Ausgabe 12.2018 der db.

Preise

ERICH-KÄSTNER-SCHULE IN DARMSTADT
{prosa Architektur + Stadtplanung | Quasten Rauh

Wettbewerb Bauen im Bestand
Für eine der dringlichsten Bauaufgaben unserer Tage, die Modernisierung von Schulen, wurde eine vorbildliche Lösung gefunden. Der belanglose Ursprungsbau profitiert gestalterisch enorm von der Aufstockung. Sie greift das Thema der Elementbauweise auf und übersetzt es von Beton in Holz. Ihr Grundriss kann aus statischen Gründen den Bestand nur leicht variieren und bietet dennoch die räumlichen Voraussetzungen für eine zeitgemäße Pädagogik. Trotz der Verwendung preiswerter Materialien ist es durch präzise Fügung und geschickten Farbeinsatz gelungen, Räume mit Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Insgesamt ein hervorragendes Beispiel für Nachverdichtung in kurzer Zeit und mit einfachen Mitteln. mehr >>

SCHLOSS DER LUTHERSTADT WITTENBERG
{Bruno Fioretti Marquez Architekten

Umbau und Erweiterung des Schlosses sind schlüssig aus dem Bestand abgeleitet: Dessen monolithisches Erscheinungsbild findet seine Fortsetzung in kraftvoll-monolithischen Elementen wie neuen, expressiven Betontreppen und einer Aufstockung aus Dämmbeton. Ohne harten Kontrast verbinden sie sich mit dem Vorhandenen und sind dennoch als Ergänzung ablesbar. Die Aufstockung des Denkmals bleibt dabei so zurückhaltend, dass sie von der Straße kaum zu sehen ist. Eine Beschränkung auf wenige, unbeschichtete, wertige Materialien verleiht den Innenräumen Authentizität. Schwere Einbauten aus Eiche korrespondieren mit dem wuchtigen Gebälk des Bestands. mehr>>

KULTURPALAST IN DRESDEN
{gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner

Hier wurde ein umstrittenes Stück DDR-Moderne vor dem Abriss gerettet. Mit einer Doppelstrategie ist dabei eine erhaltende Erneuerung gelungen: Während der frühere Mehrzwecksaal in der Gebäudemitte einem hochmodernen Konzertsaal in eigenständiger, neuer Formensprache Platz machte, wurde der Rest des Baus – äußere Raumschicht und Hülle – bewahrt und mit großem Respekt vor dem Bestand denkmalgerecht instandgesetzt. Die Integration der Stadtbibliothek als ergänzende Nutzung gibt dem Bau eine neue Perspektive und belebt ihn auch dann, wenn gerade keine Konzerte stattfinden. Dennoch blieb eine seiner Hauptqualitäten, die außerordentliche räumliche Großzügigkeit, erhalten. mehr>>

Anerkennungen

ALTE KELTER IN KIRCHHEIM A.N.
{lohrmannarchitekt

Geplantes Nicht-Planen: Die hohe Kunst bei diesem Projekt bestand darin, den vorgefundenen Raum mit seinem beinahe sakralen Charakter so unverändert wie möglich zu erhalten, inklusive der verwitterten Oberflächen. Die Architekten haben sich vollkommen zurückgenommen und keine Spuren mit eigener Handschrift hinterlassen. Ein cleveres Nutzungskonzept – Wochenmarkt und gelegentliche Kulturveranstaltungen – ermöglichte es, auf störende bauliche Eingriffe wie Fluchttreppen oder Wärmedämmung zu verzichten. Ein raffiniertes Lichtkonzept setzt den Bestand in Szene. mehr>>

LABORGEBÄUDE EVA IN GIVISIEZ (CH)
{Bart & Buchhofer Architekten

Laborgebäude Eva Givisiez
Die Arbeit zeigt, wie Nachverdichtung ohne Flächenversiegelung gelingen kann: mit einer Aufstockung um bis zu vier Geschosse. Aus einem öffentlichen Verwaltungsbau von 1969 wurde dabei ein kantonales Laborgebäude. Indem die Planer die Formensprache des Bestands weiterführen, erzeugen sie einen harmonischen Riegel – er wirkt als Einheit, bei der Alt und Neu nicht mehr ablesbar sind. Lediglich die prägnante durchgestanzte Aussparung als sinnfällige Markierung des Eingangs deutet an, dass der Bau eine Veränderung erfahren haben muss. Sehr subtil gibt die Überhöhung des obersten Geschosses dem Gebäude einen eleganten Abschluss.  mehr>>

LANDTAG MECKLENBURG-VORPOMMERN IM SCHLOSS SCHWERIN
{Dannheimer & Joos Architekten

Raumfolge und -proportionen, die bei vergangenen Umbauten verloren gegangen waren, wurden wiederhergestellt. Der einstige »Goldene Saal« nimmt nun das Plenum auf. Eine eingestellte Struktur aus weißen Lamellen bietet dafür einen ruhigen, zeitgenössischen Rahmen, gleichzeitig lässt sie die alten Wände durchscheinen, bei denen alle historische Brüche – abgeschlagene Pilaster, freigelegte Nischen, abgesägte Betonunterzüge – sichtbar sind. Während im Plenarsaal das Thema der Schichtung aus Alt und Neu sensibel inszeniert wird, erfuhren die übrigen Räume eine zurückhaltende Sanierung. mehr >>

STUDENTENDORF SCHLACHTENSEE IN BERLIN
{BRENNE ARCHITEKTEN

Architektur der 50er Jahre energetisch zu sanieren, ohne dass die feingliedrige Gestaltung leidet, ist alles andere als einfach. Beim denkmalgeschützten Studentendorf Schlachtensee ist genau dies geglückt. Der Energieverbrauch wurde um 60 % gedrosselt, die zwischenzeitlich verlorene originale Farbigkeit wiederhergestellt – und das Ganze mit einem Budget, das keine großen Sprünge gestattet, weil die Mieten auch nach der Sanierung niedrig bleiben sollen. mehr>>

WOHNHAUS HUNKELER IN SARNEN (CH)
{Seiler Linhart Architekten

Ein Gebäude von 1722 wurde von zahlreichen Anbauten befreit, die im Laufe der Jahrhunderte die Kubatur immer stärker verfremdet hatten. Die neue holzbekleidete Erweiterung spielt mit Anklängen an Schuppen und macht die Fügung an den steinernen Ursprungsbau ablesbar. Und doch verbindet sich alles zu einer Einheit; denn die Dachfläche des Bestands setzt sich als flacher geneigte Abschleppung über dem Anbau fort. Sorgfältig detaillierte Schattenkanten am Ortgang binden Alt und Neu zusammen. Ein origineller, unverwechselbarer Beitrag zur Frage, wie sich gewachsene Dachlandschaften des ländlichen Raums harmonisch weiterentwickeln lassen. mehr>>

REIHENHAUS IN STUTTGART
{AMUNT NagelTheissen Architekten und Designer

Ein typisches Reihenhaus der 30er Jahre, im Innern ursprünglich kleinteilig und eng. Der Umbau zeigt nicht nur, wie in einer gegebenen Hülle eine großzügigere, komplexere Raumwirkung entstehen kann, sondern auch, wie sich in Hanglage der Bezug zum Garten verbessern lässt. Die beschränkte Grundfläche wurde mit platzsparenden Einbaumöbeln optimal genutzt.  mehr>>

BURG BACHEM IN FRECHEN
{lüderwaldt architekten

Die Aufgabe, ein denkmalgeschütztes größeres Anwesen in mehrere Wohnungen zu untergliedern, haben lüderwaldt architekten sehr feinfühlig gelöst. Die Grundrisse nehmen Rücksicht auf den Bestand, neue Bauteile fügen sich respektvoll und doch selbstbewusst ein, dabei überlassen sie der vorgefundenen Bausubstanz gestalterisch stets den Vortritt. Alle Interventionen geben sich schlicht und zurückhaltend. Eine Vielzahl eigens entworfener Einbaumöbel reagiert geschickt auf die Unregelmäßigkeiten des vorgefundenen Gemäuers. mehr>>


Eindrücke von der Preisverleihung am 10. Dezember 2018 finden Sie hier.

Genaueres über die Auslobung zum Wettbewerb Bauen im Bestand erfahren Sie hier.