Einfamilienhaus in Oppenheim

Edelstein und Fassung

Ein stark verbautes Barockhaus wurde von Dirk Schluppkotten freigeschält und hergerichtet. Durch präzise Eingriffe in das Ursprungsgebäude und eine geschickte Transformation der Erweiterungen aus der Nachkriegszeit kommt es jetzt wieder voll zur Geltung.

Kaum zu glauben, dass das Gartenhaus des kurpfälzischen Landschreibers einmal frei vor den Toren der Stadt Oppenheim stand. Heute rücken dem Gebäude, das ab 1772 errichtet wurde, die Nachbarhäuser auf die Pelle, und bis vor kurzem tat dies auch eine Erweiterung auf dem eigenen Grundstück. Sie war im 20. Jahrhundert wenig sensibel angefügt worden, um das Anwesen als Küferei und später als Weingut zu nutzen; jedoch störte sie erheblich die klare Symmetrie des barocken Baukörpers.

Um den denkmalgeschützten Ursprungsbau wieder lesbar zu machen, hat der Frankfurter Architekt Dirk Schluppkotten nun denjenigen Teil der Erweiterung abgerissen, der direkt andockte. Ein neuer, schlankerer Baukörper geht jetzt auf Abstand und schließt nur über einen vollverglasten Windfang an das freigestellte Gartenhaus an, das seine bescheiden-barocke Pracht dadurch wieder besser entfalten kann. Wie die Fassung für einen Diamanten setzt der neue Körper das Denkmal in Szene. Er schirmt das Grundstück nach Norden komplett ab, wurde an einer Stelle um ein Geschoss erhöht und blendet damit ein unattraktives Nachbarhaus aus. Der Rest der Erweiterung wurde erhalten, aber stark überformt und bildet mit dem neuen Anbau eine gestalterische Einheit. Sie folgt dem Primat maximaler formaler Reduktion – dezent hält sie sich im Hintergrund, um dem barocken Gartenhaus den Vortritt zu überlassen. Folgerichtig präsentiert sie sich als Gebäude »ohne Details«, außen mit grauem Anstrich und bündig einbebauten Fenstern, innen mit grauem Estrichboden ohne Sockelleisten. Einziger gestalterischer Anknüpfungspunkt an den Altbau ist die Ausbildung der Fenster als Doppelflügel.

Das marode Barockhaus ließ Schluppkotten wieder instand setzen. Trotz zahlreicher verfaulter Holzbalken fand sich ein Zimmermann, der bereit war, bei Dachstuhl und Gauben nur punktuelle Auswechslungen vorzunehmen, um möglichst viel Originalsubstanz zu erhalten. An den Fassaden verbessert ein Dämmputz auf denkmalverträgliche Weise die Energiebilanz. Er erhielt einen mineralischen Anstrich in einem Altrosa-Ton, der in einer restauratorischen Untersuchung als unterste Farbschicht ermittelt worden war. Im Innern folgt der neue, vollflächig eingebrachte Terrazzo in Farbe und Struktur dem Vorbild eines kleinen Reststücks, das sich noch in im Eingangsbereich am Treppenantritt verbarg. Ein paar Durchgänge zwischen den Räumen wurden neu geschaffen und bilden nun eine typische Enfilade. Von den vorhandenen Öffnungen unterscheiden sie sich durch ihre extraschmalen weißen Stahlzargen.

~Christian Schönwetter

Das Projekt erhielt beim BDA Architekturpreis Rheinland-Pfalz in diesem Jahr eine Anerkennung.