Hotel in Wien (A)

Touristen und Flüchtlinge unter einem Dach

Einen Praxis-Beitrag zur Integrationsdebatte leistet dieses Wiener Projekt: In einem ehemaligen Seniorenheim wurde ein Hotel eingerichtet, in dem Asylbewerber als Angestellte arbeiten. Mit wenig Geld und viel Humor hat das Architekturbüro AllesWirdGut den Umbau geplant.

In manchen Hotels kann man schon froh sein, wenn an der Rezeption Englisch und Französisch gesprochen wird. Das neue magdas hotel in Wien kann den Gast gleich in 24 Sprachen willkommen heißen. Und das ist kein Zufall. Denn das von der Caritas betriebene Kein-Stern-Hotel ist ein »Haus mit sozialem Mehrwert«, wie Michael Landau, Präsident von Caritas Österreich, betont. Nicht nur wohnen hier Flüchtlinge und Wien- Touristen unter einem Dach, vor allem auch sollen die hier lebenden Asylbewerber im Hotelbetrieb beruflich Fuß fassen und sich für den bevorstehenden Arbeitsmarkt wappnen können. »Social Business« nennt sich das im Fachjargon.
So ungewöhnlich und erfrischend wie der Arbeitskontext ist auch das architektonische Konzept dieses Hauses. Der Betrieb ist in einem ehemaligen Seniorenpflegeheim untergebracht, das im Unterschied zu sonst üblichen Hotelrevitalisierungen nicht zu Tode renoviert, sondern im besten Sinne des Wortes kosmetisch aufgefrischt wurde. Trotz einiger versetzter Wände ist der Charakter des 60er-Jahre-Gebäudes mitsamt vanillegelben Badezimmerfliesen und farbgewalzten Flurwänden erhalten geblieben.
Ja sogar das Mobiliar in der Lobby, im Frühstücksraum und in den 78 Zimmern nimmt Anleihen am Einrichtungsstil jener Zeit. Ein Großteil der alten Resopalmöbel, die auf mal schräge, mal humorvolle Art und Weise einer Neunutzung zugeführt wurden, stammt aus dem Caritas-Archiv sowie von privaten Spenden. Das Upcycling hat Spuren hinterlassen, die zum Schmunzeln anregen: Da kann es schon einmal passieren, dass eine alte Garderobe als Betthaupt und ein auseinandergesägter Stuhl, der aus der Wand zu wachsen scheint, als Nachtkästchen herhalten müssen. »Das war ein außergewöhnliches Projekt, mit dem man als Architekt nicht alle Tage konfrontiert ist«, sagt Herwig Spiegl, Projektleiter und Generalplaner bei AllesWirdGut Architekten. »Wir mussten viel improvisieren und mit dem arbeiten, was da ist. Gelandet sind wir schließlich bei einem Stilmix aus Mid-Century, was sehr gut zu diesem Haus passt. Das ist weitaus nachhaltiger als der ganze modische Deko-Kitsch, den man in Hotels heute meist vorfindet.«
Das magdas hotel ist ein temporäres Zwischennutzungsprojekt, anberaumt für fünf Jahre. Geht alles nach Plan, könnte die Nutzung verlängert werden. Das Investitionsvolumen für die Revitalisierung beläuft sich auf 1,5 Mio. Euro. Ein kleiner Teil davon wurde über Crowdfunding finanziert. »Unsere Vision ist, dass das magdas hotel ein Ort der Begegnung wird, an dem Vorurteile abgebaut werden«, sagt Michael Landau. Jene Ressentiments, die der unliebsamen Bausubstanz aus den 60er Jahren üblicherweise entgegengebracht werden, sind bereits verpufft.
~Wojciech Czaja