Pavillon Le Corbusier in Zürich (CH)

Entgiftet und verjüngt

Ein architektonisches Juwel am Zürichsee wurde instandgesetzt. Mit Feinarbeit ist es gelungen, den Pavillon Le Corbusier denkmalgerecht zu sanieren und von Giftstoffen zu befreien. Es ist übrigens der einzige Corbusier-Bau aus Glas und Stahl.

Der Galeristin Heidi Weber verdankt Zürich eine seiner bedeutendsten architektonischen Ikonen: Sie beauftragte Le Corbusier mit dem Bau eines Pavillons, der 1967 – der Meister war zwei Jahre zuvor gestorben – von dessen Mitarbeitern Alain Tavès und Robert Rebutato fertiggestellt wurde. Lange als privates Museum betrieben, gelangte der Pavillon nach Ablauf des für 50 Jahre gewährten Baurechts in den Besitz der Stadt Zürich. Die Trägerschaft liegt nun beim Museum für Gestaltung. Nach zweijähriger Restaurierung ist das denkmalgeschützte Bauwerk nahe dem Seeufer jetzt wieder öffentlich zugänglich.

Eines der Hauptanliegen bei der Instandsetzung durch die Le-Corbusier-Spezialisten Arthur Rüegg und Silvio Schmed war die thermische Ertüchtigung des Gebäudes. Korrodierte Partien der Stahlstruktur und undichte Stellen der Neopren-Fensterdichtungen mussten ausgebessert werden, v. a. aber war die seit 1982 nicht mehr funktionsfähige Bodenheizung im UG auszutauschen. Dafür wurde der Belag aus Schieferplatten entfernt und samt dem geborgenen Fugenmörtel anschließend wieder eingefügt. Im Zusammenspiel mit einem Luftentfeuchter entstand zumindest im UG des Pavillons ein Klima, das die Präsentation von Originalexponaten ermöglicht.

Fehlstellen des schwarzen Pirelli-Noppenbodens auf OG- und Dachebene konnten durch Produkte eines niederländischen Anbieters geflickt werden. Bei der Sanierung des Dachs stellte der vorhandene Anstrich ein Problem dar: Die Giftanteile der verwendeten Farben überstiegen die inzwischen zulässigen Grenzwerte um das 250-fache. In einer Unterdruckkammer trugen Arbeiter in Sauerstoffanzügen die Farbschichten ab und bauten sie anschließend neu auf.

Im Innern mussten einzelne Einbauten wie Wandleuchten und Möbel rekonstruiert werden, da die nicht baugebundene Ausstattung des Pavillons sich heute im Besitz von Heidi Weber befindet. Wer den Pavillon Le Corbusier vor und nach der Restaurierung besucht hat, wird kaum einen Unterschied erkennen können: Die Oberflächen sind gereinigt und strahlen heller, doch der Erhalt des Originalzustands besaß Priorität. Der Pavillon ist ein hybrides Gebäude, worauf schon der Begriff »maison-musée« hindeutet. Als »maison d’homme« stellt er ein idealtypisches Wohnhaus dar, das gleichwohl niemals bewohnt wurde, aber die Ideenwelt von Le Corbusier und seinen Gedanken der »synthèse des arts« wie ein Modell im Maßstab 1:1 demonstriert (»maison démonstrative«). Mit Stahl, Glas und Email wandte sich Le Corbusier in seinem Spätwerk vom Betonbrutalismus ab und beschritt neue Wege. Dies erklärt die eminente Bedeutung des kleinen Bauwerks in Zürich.

~Hubertus Adam


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