Wohnhaus »Rundherum« in Oberneukirchen (A)

Schichtenmodell

Das Satteldach entfernt und den steinernen Gebäudetorso mit einer neuen Raumschicht in Holzbauweise umgeben – so hat das Büro mia2 aus einem 70m²-Häuschen ein 150m²-Domizil gemacht und ermöglicht gestaffeltes Wohnen nach dem Zwiebelschalenprinzip.

Knapp 25 km nördlich von Linz liegt die Gemeinde Oberneukirchen. In einer Streusiedlung am Ortsrand stand ein Ferienhäuschen mit Blick über die sanft gewellte Wald- und Wiesenlandschaft – ein Panorama, das man durch die kleinen Fenster jedoch nur bedingt genießen konnte. Der Wunsch nach mehr Aussicht, mehr Platz und mehr Licht führte zu einer tiefgreifenden Transformation, die an konzeptioneller Klarheit kaum zu überbieten ist: leichte Schale, schwerer Kern.

Der massive Bestandsbau blieb als Nukleus erhalten und wird auf allen vier Seiten von neuen Wohnflächen in leichter Holz-Glas-Konstruktion umfangen. Das Linzer Architekturbüro mia2 ließ das Satteldach des Ferienhauses entfernen, die Garage abreißen, einige Öffnungen vergrößern und andere schließen. Die verbliebene Struktur verbindet sich nun mit der umlaufenden Erweiterung zu einem Raumkontinuum, ein Eindruck, den der durchlaufende grüne Linoleumboden unterstreicht. Aus dem kleinen rechteckigen Ferienhaus ist ein großzügiger quadratischer Pavillon geworden, der ganzjährig als Wohnhaus genutzt wird. Es gibt fast keine klassischen Erschließungsflächen mehr, jeder Teil des Grundrisses hat eine zusätzliche Funktion. Auf der Südseite mit der attraktiven Aussicht fällt die Erweiterung besonders üppig aus, hier liegen ein Essplatz nach Südosten und einer nach Südwesten.

Fotos: Kurt Hörbst

Tragende Wandscheiben aus Brettschichtholz bilden eine raumhaltige Fassadenschicht. Ihre Tiefe variiert zwischen 30 und stolzen 190 cm. Mal ist sie Teil des Gebäudeinnern und nimmt beispielsweise an der Nordseite eine Garderobe oder einen Schreibtisch auf, an der Ostseite ein Waschbecken oder eine Badewanne, die von der Morgensonne profitieren. Mal ist sie aber auch Teil des Außenraums, etwa als tief eingeschnitttene, windgeschützte Terrasse im Süden, als kleine im Westen oder ganz einfach als Standort der Mülltonnen im Norden. Wo die Felder zwischen den Wandscheiben nicht verglast sind, erhielten sie eine gedämmte Ausfachung, die außen eine Bekleidung aus schwarz lasierten Seekieferplatten trägt. Im Innenraum des Wohnhauses ist das Brettschichtholz aus Tanne sichtbar belassen und als neues Bauteil ablesbar, das sich deutlich vom Bestand mit seinen weiß verputzten Oberflächen unterscheidet.

Zwar erschwerte das ungünstige A/V-Verhältnis des Pavillons die Umsetzung eines Passivhauses, aber durch die neue Dämmung, eine Luftwärmepumpe und dank einer Photovoltaikanlage auf dem Dach ließ sich der Primärenergieverbrauch im Vergleich zum Zustand vor dem Umbau doch erheblich senken.

~Christian Schönwetter


Standort: A-4181 Oberneukirchen
Architekten: mia2 ARCHITEKTUR ZT GmbH, Linz
Projektarchitekten: Sandra Gnigler, Gunar Wilhelm
Nutzfläche: 154 m²
Grundstücksfläche: 565 m²
Ausführender Holzbaubetrieb: Elmer Gmbh, Oberneukirchen


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