Neuer Heftteil db-Metamorphose erschienen

Betonbauten erneuern

Was tun mit aufgegebenen Zweckbauten aus Beton? Die unverwüstliche Robustheit des Materials stellt Planer vor Herausforderungen. Originelle Ansätze fanden Architekten für ein Silo in Kapstadt, eine Garage in Zürich und ein Labor in Lissabon.

Diesem Thema widmet sich der aktuelle Heftteil db-metamorphose in Ausgabe 06.2018 der db.

AUS DEM INHALT:

FOKUS
Verbotene Liebe

Bei Architekten ist Beton schon seit Langem beliebt. Doch ausgerechnet jetzt, wo er allmählich auch Teil des Massengeschmacks wird, zeigt sich immer deutlicher, dass ökologische Gründe gegen seine Verwendung sprechen. Gut, dass es genug Bestandsbauten gibt, die Betonliebhabern die Chance bieten, das Material in Szene zu setzen.

MUSEUM MOCAA IN KAPSTADT (ZA)
{Heatherwick Studio

Der britische Architekt Thomas Heatherwick hat für das Zeitz Museum of Contemporary African Art ein altes Silo umgebaut. Durch Aufsägen der Getreidekammern aus Beton schuf er ein Atrium, das als spektakulärer Auftakt für die Ausstellungsräume dient. Der Bau zieht Kunstliebhaber aus aller Welt an.

GS1-HAUPTQUARTIER IN LISSABON (P)
{PROMONTÓRIO Architects

Zusammen mit dem Künstler Vhils haben Promontório Architects einen Bürobau aus den 80er Jahren komplett umgekrempelt. Schrägstehende Betonscheiben mit Relief werten die Fassaden auf, im Innern durchbrechen neue Öffnungen die betonierten Kassettendecken, um die Stockwerke zu einer dreigeschossigen Bürolandschaft zu verbinden.

THE SILO IN KOPENHAGEN (DK)
{COBE

»From trash to treasure«: So kommentiert Dan Stubbergaard, Gründer und Kreativdirektor des dänischen Architekturbüros COBE, sein Umbauprojekt »The Silo« am Kopenhagener Nordhavn. Dort gestaltete er mit seinem Team einen ehemaligen Getreidespeicher zu 38 Apartments um, ergänzt durch öffentliche Funktionen im EG und DG. Trotz einer zeitgemäßen Ertüchtigung ließen sich der rohe Charakter, die industrielle Identität und die besondere Form des schlanken, hohen Betonmonolithen dabei bewahren.

SCHLOTTERBECK-AREAL IN ZÜRICH (CH)
{giuliani.hönger Architekten

Nachverdichtung mit Esprit: giuliani.hönger Architekten haben ein stadtbildprägendes Autohaus aus den 50er Jahren zu Wohnraum umgenutzt und massiv aufgestockt. Dennoch ist es ihnen gelungen, die denkmalgeschützten Gebäudeteile weitestmöglich zu bewahren und die Erweiterung aus der Logik des Bestands heraus zu entwickeln. Im Innern prägt das alte Betontragwerk die neuen Räume.


ENERGETISCH SANIEREN
Sanierung von Zeilenbauten im Effizienzhaus-Plus-Standard in Neu-Ulm

Das Modellvorhaben »Effizienzhaus Plus im Altbau« soll die energetischen Potenziale unseres Wohnungsbestands aufzeigen. Zwei nahezu identische Zeilenbebauungen aus den 30er Jahren in Neu-Ulm schienen dafür prädestiniert, unterschiedliche Konzepte für die Sanierung zum Effizienzhaus-Plus-Standard zu testen. Inzwischen ist das zweijährige Monitoring fast beendet. Es zeigt, dass die Einregulierung Zeit braucht: Nur so lassen sich Fehler und Mängel aufspüren, die erklären, warum vorherige Berechnungen nicht zwingend mit den Verbrauchswerten übereinstimmen.

VERKANNTE PERLE
Siedlung Blumläger Feld in Celle

Wer würde ausgerechnet in der niedersächsischen Provinz eine Hochburg der Moderne vermuten? In der Tat lockt Celle zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum 2019 nachdrücklich mit dem baulichem OEuvre von Otto Haesler. Dessen bereits schwer gebeutelte, denkmalgeschützte Siedlung »Blumläger Feld« steht vermutlich trotzdem vor dem Abbruch.