»Haus des Rundfunks« in Berlin

Hier spricht Berlin

Einen Auftrag in dieser Größenordnung erhält man nicht alle Tage: 4 800 m² hochgebrannte Klinkerfassade und 3 000 m² Baukeramik galt es beim »Haus des Rundfunks« in Berlin zu restaurieren, bei einem Gebäude, das bereits 28 Jahre nach seiner Fertigstellung als eines der interessantesten Werke des Backsteinexpressionismus in Berlin unter Schutz gestellt worden war. Mit dem funktionalen, massiven Ziegelbau hatte Poelzig im Jahr 1931 einen Meilenstein in der Geschichte der europäischen Rundfunkhäuser gesetzt. Zentrale Entwurfsidee war die Platzierung dreier trapezförmiger Sendesäle in der Gebäudemitte, eingefasst und vom Straßenlärm abgeschirmt durch Büro- und Redaktionsräume an den Außenseiten des Bauwerks. Eine Anordnung, die bis heute ideale Bedingungen für den Hörfunkbetrieb bietet.
Beeindruckend erstreckt sich die Hauptfront 150 m entlang der Masurenallee, während die Seitentrakte in Kurven zurückschwingen und die dreieckige Grundrissform schließen. Diese Hierarchie zeigt sich auch in der Fassadengestaltung. Die Seite mit dem Haupteingang wird durch einen Wechsel von großformatigen, glasierten, rotbraunen Keramikplatten und dunkel-changierenden, gesinterten Klinkern vertikal gegliedert; die Nebenflügel dagegen sind glatt mit Klinker verkleidet. Schäden an der denkmalgeschützten Hülle infolge von Krieg und Witterung, rissige Fugen, Keramikplatten mit Abplatzungen, aber auch solche, die bei früheren Ausbesserungen im falschen Farbton nachgebrannt worden waren, machten eine umfassende Gesamtsanierung notwendig. Die Architekten Bräunlin + Kolb vollendeten diese 2013 nach einer akribischen Schadens- und Maßnahmenkartierung. Während an den rückwärtigen Fassaden Fugen und Fensterelemente erneuert wurden, erforderte die Hauptfassade aufwendigere Maßnahmen: Jede einzelne Keramik musste auf Hohlstellen abgeklopft und auf Risse und Abplatzungen geprüft werden. Die zu ersetzenden Elemente wurden im Anschluss aufwendig nachgebrannt, handverlesen ausgewählt, bedampft und teils sogar handbemalt, um das Farbspektrum von einst originalgetreu wiederherzustellen.
~Iris Darstein-Ebner