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Ehemalige Hauptpost in Augsburg von KNOCHE ARCHITEKTEN und MICHAEL SCHMID ARCHITEKTEN

Ehemalige Hauptpost in Augsburg
Aufgestockt und aufgeschäumt

Ungewöhnlicher Nutzungsmix: Jugendamt, Verkehrsüberwachung und die Musikfakultät der Universität beleben das lange leerstehende Postgebäude im Stadtzentrum. Die dafür nötige Aufstockung, in Aluminiumschaum gehüllt, knüpft subtile Bezüge zum Bestand.

Wer das Augsburger Stadtzentrum auf schnellstem Weg durchqueren möchte, fährt über die Grottenau, eine Ost-West-Achse, die nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich verbreitert wurde. Das einzige Bauwerk, das dort sowohl den Bombenhagel als auch das Leitbild der autogerechten Stadt überlebt hat, ist die Hauptpost, 1905-08 in neobarocker Pracht errichtet. Allerdings hat der Bau im Krieg sein imposantes Mansarddach eingebüßt und präsentierte sich seit 1975 mit einem neu aufgesetzten, flachen Geschoss im Stil der 70er. Weil sich die Post über die folgenden Jahrzehnte immer weiter aus dem Gebäude zurückzog, stand es zum Schluss fast komplett leer.

Nun hat die Stadt das Bauwerk erworben und mit einer ungewöhnlichen Nutzungsmischung neu belebt: Ins 1. und 2. OG sind das Jugendamt und die Verkehrsüberwachung eingezogen, während im EG und in den obersten Etagen die Universität Augsburg Studierende im Fach Musik ausbildet. Den Umbau planten KNOCHE ARCHITEKTEN in Arbeitsgemeinschaft mit MICHAEL SCHMID ARCHITEKTEN. Büros und Seminarräume konnten sie gut im kleinteiligen Bestand unterbringen, für große Räume wie Probebühne und Studios hingegen ließen sie die vorhandene flache Aufstockung abtragen und durch höhere Kuben ersetzen. Dabei wurde das alte Stahltragwerk demontiert, ergänzt und anschließend wieder neu zusammengefügt. Jetzt zeigt der obere Gebäudeabschluss ungefähr wieder die Proportion der Vorkriegszeit. Als Bekleidung trägt er Tafeln aus geschäumtem Aluminium, die speziell für dieses Projekt zugelassen wurden und bei flüchtiger Betrachtung Assoziationen an ein Blechdach wecken. Gleichzeitig knüpft das aufgesetzte Geschoss subtile Bezüge zur neobarocken Fassade: Es greift ihre vertikalen Linien auf und zeichnet etwa den Risaliten mit einem vorspringenden und überhöhten Kubus nach, um den Haupteingang im EG zu betonen – so wie es einst der dominante Giebel an dieser Stelle des Daches tat. Die einzige zur Straße sichtbare Öffnung in der abstrakten Aluminiumhülle ist übereck geführt und unterstreicht damit den Eckerker des Bestands. Das markante Fenster bietet Studierenden im dahinterliegenden Pausenraum einen großartigen Ausblick in Richtung Dom.

Doch auch in den unteren Etagen hat sich einiges getan. Die frühere Schalterhalle zieht als Kammermusiksaal Publikum an. Und weil die beiden Höfe jetzt öffentlich zugänglich sind, entstehen neue innerstädtische Wegeverbindungen, etwa vom Staatstheater über die Grottenau in Richtung Rathaus. Das Postgebäude verzahnt sich intensiv mit dem urbanen Gefüge.

~Christian Schönwetter

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