Nicht verpassen!

~Bernhard Schulz

Die 14. Architektur-Biennale von Venedig wurde mit Skepsis erwartet, angesichts ihres Direktors Rem Koolhaas. Jetzt aber herrscht geradezu Begeisterung. Die thematische Zweiteilung in »Fundamentals«, in die von Koolhaas selbst vorgenommene Untersuchung von Grundelementen der Architektur, und der Vorgabe für die 65 Nationalbeteiligungen, »The Absorption of Modernity 1914-2014«, erweist sich als Volltreffer. Das allerdings auch deshalb, weil sich die Länderkommissare ganz überwiegend an die Rückbesinnung auf ihre jeweilige, nationale Geschichte der Verarbeitung der Moderne des 20. Jahrhunderts gehalten haben. So bietet Venedig ein Bild der weltweiten Architekturmoderne, wie es in derartiger Fülle bislang nirgends zu erleben war. Natürlich verdienen die Preisträger Korea, Frankreich und Russland einen Besuch, aber diesmal heißt es in Venedig auch die Peripherie genau zu studieren. Gerade die bei Biennalen nicht im Mittelpunkt stehenden Länder wie Rumänien, Mexiko [2] oder Iran (!) haben wertvolle Forschungsarbeit geleistet. Koolhaas‘ Elementar-Ausstellung [3] im Zentralpavillon ist ohnehin ein Muss, wegen der schieren Fülle, Verschiedenartigkeit und teils auch Skurrilität der ausgestellten Objekte. Hier gibt es übrigens keine Beschränkung auf die Moderne, sondern es geht oft quer durch die Zeiten. Kaum je war eine Biennale derart geistvoll und anregend wie diese, die zum Glück bis Ende November geöffnet bleibt. – Ausführlich beleuchtet wird die Biennale im »Blickpunkt« der Septemberausgabe der db.