Dachausbau in Frankfurt a. M.

Raffinierter Raumgewinn

Erstaunlich, wieviel Platz selbst unter einem kleinen Dach entstehen kann, wenn der Raum gut strukturiert wird. Um mit einer Stahltreppe den Spitzboden nutzen zu können, war besondere konstruktive Raffinesse beim Abtragen der Lasten gefragt.

Bergen-Enkheim ist ein recht beschaulicher Stadtteil von Frankfurt, im Nordosten am Übergang zur freien Landschaft gelegen. Hier, in einem heterogenen Kontext von Ein- und Mehrfamilienhäusern aus verschiedenen Zeiten, haben die Architekten Julien Kiefer und Bjoern Schmidt ein Dachgeschoss in einem Haus von 1954 zu einer Wohnung ausgebaut. Unter dem steilen Satteldach befanden sich seit einem Umbau im Jahr 1996 drei kleinere Kinderzimmer samt Bad, darüber ein Spitzboden. Die neue Wohnung nutzt dieses gesamte Dachvolumen aus, jedoch mit einer leicht veränderten Aufteilung: Zwei der Kinderzimmer sowie der Spitzboden in diesem Bereich wurden durch Wegnahme von Wand und Decke zu einem großzügigen, 4,55 m hohen Wohnraum zusammengefügt, mit Essbereich und Küche. Er wird von zwei Seiten belichtet, v. a. aber durch eine neue, große Gaube, die über die Dachpfette hinauswächst, wodurch das alte Holzbauteil im Innenraum besonders inszeniert wird. Dabei entsteht eine freundliche Atmosphäre mit exklusivem Blick über die Stadt.

Prägendes Element des Interieurs ist eine skulpturale, altrosafarbene Stahltreppe. Sie verbindet den Wohnbereich mit dem Galeriezimmer, das von Dachfenstern ebenfalls großzügig mit Tageslicht versorgt wird. Darunter sind das Schlafzimmer und das Bad angeordnet sowie ein kleiner Verteilerraum, in den man zunächst gelangt, wenn man die Wohnung vom Treppenhaus her betritt. Dieser 2,30 m hohe Bereich ist von den Architekten bewusst dunkel angelegt, um einen Kontrast zum lichtdurchfluteten Hauptraum zu schaffen. Seine dunkelgrüne Farbe findet sich auch in Bad (Anröchter Natursteinfliesen) und Schlafzimmer wieder. Um die Lasten der Stahltreppe, die als vorgefertigtes Element per Kran in den Dachstuhl gehoben wurde, sicher ableiten zu können, mussten die nichttragenden Porenbetonwände mit 25 mm dicken Birke-Multiplexplatten beplankt werden, an denen die Treppe fixiert ist. Am Boden sorgen zusätzliche Metallplatten für eine gleichmäßige Lastenverteilung in die bestehende Holzbalkendecke.

Das Haus sei zwar nicht denkmalgeschützt, so die beiden Architekten, »dennoch war die Einbindung der neuen Dachgaube in die Logik und das Verständnis der Bestandsfassade in Sachen Materialität, Farbe und Detaillierung von großer Bedeutung.« Dieser Fokus auf der gestalterischen Harmonie mit dem Bestand macht sich v. a. im Innenraum bemerkbar, der trotz der Beengtheit auf rund 54 m² und mit 159 m³ viel Platz bietet und durch die Materialien, Farben und Oberflächen eine gewisse Leichtigkeit erzeugt, was durch den Kontrast zu den »privateren« Räumen noch verstärkt wird. Nicht zuletzt erstaunt, wie viel Wohnung unter ein kleines 50er-Jahre-Dach passen kann.

~Thomas Geuder


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