Landeskirchenamt von Wandel Lorch in München

Beziehungsreiches Relief

In der Maxvorstadt haben Wandel Lorch Architekten das Evangelische Landeskirchenamt um einen Erweiterungsbau ergänzt. Seine facettierte Fassade fügt sich gut in den Straßenzug und zeigt, wie sich Klassizismus und Moderne in Einklang bringen lassen.

Wer in München den kürzesten Weg vom Stachus zum Königsplatz geht, wird die Katharina-von-Bora-Straße benutzen. Ein ganzer Abschnitt ist dort inzwischen vom Evangelischen Landeskirchenamt besetzt, das über die Jahre immer weiter gewachsen ist: Heute verteilt es sich auf vier Gebäude entlang der Straße, alle inspiriert vom Klassizismus Leo von Klenzes, dessen Glyptothek direkt um die Ecke den Königsplatz dominiert.

Auch der neueste Bau setzt diese Tradition fort, interpretiert sie allerdings auf sehr moderne Weise. Er ist das Ergebnis eines beschränkten Wettbewerbs, den das Landeskirchenamt in Abstimmung mit der Stadt auslobte. Es galt, 100 Mitarbeiter unterzubringen und Raum für Veranstaltungen zu schaffen. Wandel Lorch Architekten aus Saarbrücken überzeugten die Jury mit einem Entwurf, der typische Merkmale der Nachbargebäude aufgreift, etwa eine abgesetzte Sockelzone, eine Lochfassade mit stehenden Fensterformaten, ein flaches Walmdach. Was ihn dennoch als Kind unserer Tage kennzeichnet, ist die Verwendung eines modernen Ornaments: Eine reliefartige Struktur, die entfernt an Bossenwerk mit Diamantquadern erinnert, überzieht die gesamte Fassade. Im Sockelgeschoss ist sie aus Beton gefertigt und zeigt den »normalen» Maßstab bossierter Steine. Sogar die Prallscheiben der bündig eingelassenen Fenster präsentieren sich dort in der gleichen dreidimensionalen Faltung, sodass ein monolithisches Erscheinungsbild entsteht. Ab dem 1. OG gibt es dann einen Materialwechsel von Beton zu einem Mineralwerkstoff, verbunden mit einer Vergrößerung des Ornaments. Hier weckt die facettierte Fassade Assoziationen an die kubistischen Bauten Prags.

Wie sie konstruiert ist? Auf den Rohbau wurde zunächst ein WDVS aufgebracht, darauf wiederum die Mineralwerkstoffplatten aus Verolith, die Hersteller Sto nach den Entwürfen der Architekten individuell fräsen ließ. Als Finish tragen sie eine raue Beschichtung.

Die klassische Dreiteilung des Baukörpers in Sockel, Hauptgeschosse und Dach ist übrigens kein gestalterischer Selbstzweck, sondern spiegelt die unterschiedlichen Nutzungen im Innern des Gebäudes wider: Im EG liegen Veranstaltungs- und Seminarräume, in den OGs Büros und im Dach ein großer Saal und das Casino.

~Christian Schönwetter