Büros im Ehemaligen Schweinestall

Gegliederter Großraum

Unter den 18 noch erhaltenen Gebäuden auf dem Schlachthofareal spielt der alte Schweinestall eine ganz besondere Rolle. In prominenter Position erstreckt sich der rote Sandsteinbau entlang der zentralen Symmetrieachse des Geländes, auf der heute die Straßenbahn fährt. Quer über die Achse blickt er auf einen baugleichen Zwilling; zusammen erzeugen beide eine torähnliche Situation. Als nach über 100 Jahren der Schlachtbetrieb eingestellt wurde und das Team zwo-elf mit der Umbauplanung begann, war der Schweinestall noch fast komplett im ursprünglichen Zustand erhalten, besaß also außergewöhnlichen Zeugniswert. Verständlich, dass die Denkmalpflege für einen möglichst unveränderten Erhalt plädierte.

Die neue Nutzung als Büroraum erforderte jedoch, zusätzliche Fenster in die Fassaden zu brechen, da der Stall nur relativ kleine Öffnungen kurz unter der Decke aufwies. Heute sorgen neue Fenster unterhalb der alten für ausreichend Licht und den nötigen Ausblick. Ihre extrabreiten Stahlzargen greifen die Proportion der Sandsteingewände der vorhandenen Öffnungen auf und geben sich über Material und Farbe doch als neu zu erkennen. Ursprünglich schlug das Denkmalamt vor, diese ergänzenden Fenster nur in die Gebäuderückseite zu schlagen, um die Straßenseite im Ursprungszustand zu bewahren. In der Dunkelzone, die sich somit im Inneren ergeben hätte, wären dann aber nur Nebenräume möglich gewesen, was den Verzicht auf 25-50 % der Arbeitsplätze bedeutet und eine wirtschaftliche Nutzung des Bauwerks verhindert hätte. Schließlich einigte man sich auf den Kompromiss, zur Straße nur unter jedes zweite der alten Fenster ein neues zu setzen. Auf diese Weise ist der frühere Stallcharakter auch heute noch an Teilen der Fassade ablesbar.
Im Inneren verteilen sich die neu geschaffenen Nebenräume als frei eingestellte Boxen über die Fläche: Teeküche, Toilette, Abstellkammer und Besprechungsbereich gliedern und zonieren die beiden Großraumbüros von je 217 m² und lassen gleichzeitig die Stallräume in ihrer ursprünglichen Dimension erkennbar. Allerdings mussten alle alten Oberflächen weichen, da sie durch Tierurin belastet waren. Am Boden trägt eine neue, gedämmte Betonplatte einen dunklen Gussasphaltestrich, der den vorherrschenden Außenbelag des Areals im Gebäude fortsetzt und dem Raum Werkstattcharakter verleiht. Die Wände erhielten einen 8 cm dicken Innendämmputz und die beiden Reihen gusseiserner Stützen tragen einen neuen Brandschutzanstrich. In Anlehnung an das früher aus Hygienegründen übliche Kalken von Stallräumen zeigen sich alle neuen Oberflächen in Weiß.
Typisch für die Nutzbauten auf dem Areal sind die ruhigen, geschlossenen Dachflächen. Um sie auch beim Schweinestall zu erhalten und nicht durch Dachfenster perforieren zu müssen, wurde dieses Geschoss nicht ausgebaut – einerseits ein Luxus, der den Verzicht auf weitere mögliche Arbeitsplätze bedeutete, andererseits ein Gewinn aus denkmalpflegerischer und städtebaulicher Sicht. Das Geschoss bleibt größtenteils Kaltraum und erhielt am Boden eine 16 cm starke Dämmung, die den Energieverbrauch des EG senkt. Das Dach selbst erfuhr lediglich eine behutsame Instandsetzung. Über einer neu eingebauten Unterspannbahn ließen die Architekten so viele der alten Ziegel verlegen wie möglich, sodass ein Maximum an authentischer Patina erhalten ist. Nur punktuell, gleichmäßig eingestreut, mischen sich einige neue darunter.
So unterschiedlich die Umbauten des Schweinestalls und der Schweinemarkthalle auch sind, verdeutlichen sie doch in ähnlicher, prototypischer Weise, wie sich überzeugende Lösungen für Denkmale finden lassen: Das Herunterschrauben allzu hoher Renditeerwartungen ermöglicht es, auf eine Übernutzung von Gebäuden zu verzichten, und dies schafft den Spielraum für denkmalverträgliche Entwürfe. Man kann beiden Projekten nur möglichst viele Nachahmer wünschen. •
Standort: Alter Schlachthof 15, 76131 Karlsruhe
Auftraggeber: Karlsruher Fächer GmbH & Co. Stadtentwicklungs-KG, Karlsruhe, www.faecher.karlsruhe.de
Architektur: zwo/elf, Büro für Gestaltung, Karlsruhe, www.zwo-elf.de
Tragwerksplanung: Künstlin Ingenieure, Karlsruhe, www.kuenstlin-ingenieure.de
HLSE-Planung: Ingenieurbüro Bender + Urich, Karlsruhe, www.bender-urich.de
BGF: 1 216 m²
Nutzfläche: 790 m²
Baukosten: ca. 1,3 Mio. Euro
Beteiligte Firmen:
Stahlfenster/-türen: System Janisol, Jansen, Oberriet, www.jansen.com
Brandschutzbeschichtung Stahlteile: Hensotherm 3 KS Innen, Rudolf Hensel, Börnsen, www.rudolf-hensel.de
Innendämmputz: System Rajasil, zweilagig, im Sockelbereich als Sanierputz, Oberputz als Kalkfeinputz, BASF Wall Systems, Marktredwitz, www.wall-systems.com
Fußbodenbeschichtung: Schukol-PU 1440, Mehrkomponenten-PUR-Harz, mit Quarzsand gefüllt, Herwetec, Sinsheim-Dühren, www.herwetec.com