Arne Jacobsens Stuhl neu interpretiert

7 mal 7

Zaha Hadid, Jean Nouvel, Snøhetta und die Bjarke Ingels Group: Sie gehören zu jenen sieben Architekturbüros, die einen Designklassiker von Arne Jacobsen weiterentwickelt haben: den Stuhl der »Serie 7«. Ihre teils humorvollen Entwürfe werden demnächst in Berlin ausgestellt.

Bestandspflege der besonderen Art betreibt der dänische Möbelhersteller Fritz Hansen: Er hat sieben namhafte Architekten eingeladen, den berühmtesten Stuhl von Arne Jacobsen neu zu interpretieren. Anlass ist das 60jährige Jubiläum des Modells »3107«, das erstmals 1955 produziert wurde und heute als Teil der »Serie 7« vertrieben wird.

Dabei steckt hinter jedem der neuen Entwürfe eine eigene Geschichte. Während Carlos Ott Architects in Kooperation mit Carlos Ponce de Léon Architects den Stuhl für ein Gebäude des Technologie-Campus Zonamerica konzipierten und darin die Farben und Formensprache der vertikalen Gärten aufnahmen, haben Jun Igarashi Architects mit dem Material gespielt und Abfallholz verarbeitet. Die Oberfläche wirkt wie eine OSB-Platte; teilweise wurden die Holzstücke eingefärbt und wiederholen damit die Farbe des Gestells.

Nerie&Hu Design & Research Office beließen die hölzerne Sitzschale im Original, kombinierten aber eine helle und eine dunkle zu einem Sitzmöbel für zwei Personen. Die Nutzer sitzen sich gegenüber mit einer kleinen Tischfläche in der Mitte. Das Gestell des einen Stuhls geht in schlichtem Bogen in die Armlehne des anderen über.

Snøhetta funktionierten den Stuhl gänzlich um. Sie machten aus ihm ein Outdoorspielzeug, entfernten das Gestell und nutzen nur die Sitzschale, die sich variabel überall mit hinnehmen lässt.

Auch Zaha Hadid entwarf einen neuen »7er« in kräftigem Grün. Das etwas dunklere Gestell aus zwei durchgängigen Stahlstreben ohne Anfang und Ende bildet die geschwungene Form der Sitzschale nach.

Weniger um Materialersparnis, dafür mehr um Skulptur geht es beim Entwurf der Bjarke Ingels Group. Gestapelte Sitzflächen bilden den Fuß des Stuhls und wirken trotz vieler Schichten filigran.

Jean Nouvel hat ebenfalls zwei Stühle miteinander kombiniert. Mit dem Kontrast von Schwarz und Weiß sind sie das Yin und Yang, das feminine und maskuline. Die geschwungene Form dieser Energielinien verstärkt die Formensprache der Sitzschale.

Gerade ging in Gent in Belgien eine Ausstellung der Entwürfe zu Ende. In Berlin kann man die Stühle vom 8.-10. Oktober anlässlich der Designmeile besichtigen.

~Petra Bohnenberger