Junge Architekten lernen in Tansania

Bildungszentrum 2050 am See

»Architektur ist eine Superkraft«, postulieren die Initiatoren von »Supertecture«, eines gemeinnützigen Unternehmens mit Sitz in Kaufbeuren. »Sie kann Gesellschaft transformieren, energetisieren und zusammenführen!«, heißt es weiter. Mit dieser Zielsetzung ist bereits eine Schule in Nepal entstanden, im selben Ort wächst zurzeit ein Gemeinschaftshaus. Auch in Afrika ist das Start-up aktiv: In Mosambik baut man eine Schule, und für den Ort Kipili in Tansania gibt es gar einen ganzen Masterplan. »KIPILI 2050« wurde mit Studenten verschiedener Hochschulen entwickelt und umfasst eine Kinderkrippe, einen Kindergarten, eine Schule, Hochschule und eine Krankenstation. Das Gelände gehört der Benediktinerabtei in Mvimwa, deren Gründung auf Missionare der bayerischen Erzabtei Sankt Ottilien zurückgeht. Drei Benediktiner sind direkt vor Ort in Kipili. Der Abt von Mvimwa, Pambo Martin-Angelica Mkorwe, hatte von der Arbeit von Supertecture gehört und den Gründer Till Gröner − der auch am Außenwirtschaftstag »Europa und Afrika« der Bundesarchitektenkammer auf dem Podium vertreten war −, angesprochen.

Entworfen und gebaut werden soll das Ensemble von jungen Architekten, Studierenden wie Absolventen, in den Semesterferien (u. a. war unser ehemaliger Praktikant Felix Kaiser dabei). Sie bekommen damit die Gelegenheit, praktische Erfahrungen zu sammeln und sich mit der Aufgabe und Gestaltung von Architektur in einem anderen Kontext als üblich auseinanderzusetzen. Obwohl: Viele der Fragen, die sich in Europa stellen, sind genauso gültig an einem Ort wie Kipili. Die Diskussionen beim einwöchigen Entwurfsworkshop drehten sich u. a. darum, welche Baustoffe verwendet werden sollen (inklusive praktischer Tests, ob etwa die lokal verfügbaren Ziegel für den Bau einer Kuppel geeignet sind und welche andere Dachform nun gewählt werden sollte) und was für den Ort angemessen ist.

Das Kindergartengrundstück ist 150 m vom Wasser des Tanganjikasees entfernt und soll eine lange Rutsche bekommen, die Kindergarten und Ufer miteinander verbindet. Das für diese Gegend typische Wellblechdach wird auch im Kindergarten Verwendung finden, für ein kühleres Raumklima von einem Netz aus Kletterpflanzen großflächig beschattet. Die individuellen Räume des Kindergartens werden später von einzelnen Teilnehmern aus jeweils unterschiedlichen, unterschätzten, lokalen und umweltfreundlichen Materialien entwickelt. Am Ende des Engagements von Benediktinern und Studenten wird eine kleine alternative Bauausstellung stehen.

Angesichts der Ausbreitung von Corona, die in Afrika den Alltag in besonderem Maß erschwert, ist allerdings fraglich, ob der Bau des Kindergartens wie geplant im August starten kann. Begonnen wurde immerhin mit dem Aufmaß (u. a. mit Schlauchwasserwaage) und dem Bau des »Headquarters«, wo die Gäste künftig in wiederverwendeten Seecontainern wohnen und arbeiten werden.

Finanzielle Unterstützung erhält das Projekt aus vielen verschiedenen Quellen. Nicht zuletzt sind die Teilnehmer verpflichtet, selbst Fundraising zu betreiben. In Nepal hat die Patrizia Children Foundation einiges zugeschossen, und der Kindergarten in Kipili wird als eins von elf Projekten der »Summerschool 2020«, ausgelobt von der Sto-Stiftung, mit einem großzügigen Betrag gefördert. ~dr

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