Nach der Wahl, vor dem Brexit

Wenn es nach den britischen Architekten gegangen wäre, hätte wohl Jeremy Corbyn das Rennen gewonnen und wäre nächster Premierminister geworden – zumindest, wenn man einer Umfrage glauben darf, die das Architektenmagazin »bdonline« durchgeführt hat. 60,4% der Leser haben demnach für Labour gestimmt – hauptsächlich allerdings wegen deren Budgetplänen und der Haltung zur Umverteilung des Wohlstands. In Sachen Brexit hätte ein Sieg wohl nichts geändert, und so bereiten sich die Architekten nun auf die veränderten Bedingungen für ihren Beruf vor.

Im Mai noch hatten zwanzig namhafte Architekten, darunter David Chipperfield, Amanda Levete, Eva Jiricna und Richard Rogers, einen Brief an den »Guardian« geschickt, in dem sie vor einem Verlust an »Informationen, Ideen und Einfluss« durch den voraussichtlich spärlicher werdenden Austausch mit Kontinentaleuropa warnten. Daneben äußerten sie sich entsetzt über die geplanten Aufenthaltsbedingungen für EU-Ausländer, die als Freelancer und Mitarbeiter in Architekturbüros dem Königreich »persönlich und beruflich Opfer« gebracht und daneben die architektonische Kultur bereichert hätten.

Auf einen anständigen Umgang mit ihnen pochte auch RIBA-Präsidentin Jane Duncan am Tag nach der Wahl. Daneben forderte sie hohe Priorität für die Branche: Es fehlen zwischen 1 und 1,5 Mio. Wohneinheiten, Schulen müssen dringend ertüchtigt und noch mehr Planungshoheit an regionale Behörden delegiert werden. David Chipperfield war letztlich hoffnungsvoll, dass die nächste Generation schon in die neue Situation hineinwachsen werde, und Norman Foster – der nach eigener Aussage für einen Verbleib in der EU war – versuchte die Kollegen dazu zu ermuntern, den Wandel als Chance zu begreifen. ~dr