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Verfrühtes Ende?

~Hartmut Möller

Mitte April war in der New York Times zu lesen, dass das Museum of Modern Art in New York City zur eigenen Vergrößerung den Abriss des anliegenden American Folk Art Museum plant. Das Gebäude wurde 2011 von den in finanzielle Nöte geratenen Besitzern ans MoMA verkauft und soll einem Erweiterungsbau weichen, der wiederum unmittelbar an den von Jean Nouvel entworfenen »Tower Verre« (auch »MoMA Expansion Tower«) [5] anschließt. In beiden Neubauten werden rund 5 000 m² Ausstellungsfläche entstehen. Aufgrund unterschiedlicher Deckenniveaus und der geschlossenen Fassade, die nicht im Einklang mit der gläsernen Ästhetik des MoMA steht, sah der Ausschuss um Direktor Glenn D. Lowry keine Möglichkeit der Nachnutzung des kleinen Nachbarn. Damit wäre ein signifikantes städtisches Objekt nach nur 12 Jahren Geschichte. Zwar ist der von den Architekten Tod Williams und Billie Tsien realisierte Bau aufgrund funktionaler Mängel nicht unumstritten, doch er hat viele Anhänger. Mittlerweile mit etlichen Preisen dekoriert, stand das kurz nach den Terroranschlägen 2001 eingeweihte Haus für Hoffnung, Aufbruch und das Selbstverständnis der amerikanischen Metropole. So stellt sich die Frage, ob nicht eine Anpassung künftiger Exponate an die existierenden Räume oder wenigstens der Erhalt der beeindruckenden, 26 m hohen Fassade möglich wäre: Die kunstvolle, aus 63 Bronzeplatten gestaltete Außenhaut [6] wurde zur Reflexion wechselnder Sonnenstände gefaltet. Ein Aufschrei von Kritikern, Architekten und Designern ließ nicht lange auf sich warten: Der hinter verschlossenen Türen gefasste Beschluss sei kultureller Vandalismus. Dabei ist es nicht frei von Ironie, dass ausgerechnet das MoMA – das erste amerikanische Museum mit eigener Architektur- und Designabteilung – Richter und Henker dieser sinnlichen Stadtskulptur sein soll. Den Urhebern des anmutigen Schmuckstücks sind derweil die Hände gebunden. Sie wurden lediglich in Kenntnis gesetzt, erfreuen sich aber immerhin weltweiten Zuspruchs. Während das Folk Art Museum [7] bereits umgezogen ist, verlangen prominente Unterstützer der Architectural League NY (u. a. Steven Holl, Richard Meier und Robert Stern) ein Überdenken der Situation. Zwischenzeitlich hat das MoMA mit Diller Scofidio & Renfro die Architekten für die Umbaupläne benannt. Wohl aufgrund des erhöhten Drucks wurden diese auch gebeten, mögliche Lösungen für eine Integration des Bestands zu entwickeln. Damit ist der geplante Abriss zwar keineswegs vom Tisch, aber immerhin stellt sich nun die Alternative, das Kleinod möglicherweise zu erhalten. Es zählt also (noch) jede Stimme.
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