Rathaus in Burtenbach

Wärme und Leichtigkeit

Die anspruchsvoll ausgeführte Restaurierung des historischen Rathauses ergänzte Architekt Manfred Lux mit eigens entworfenen Einbaumöbeln und einer skulpturalen Treppe aus Holz, die vollkommen ohne Leim oder metallische Verbindungsmittel auskommt.

In der Nähe von Augsburg liegt die ländliche Gemeinde Burtenbach mit 3500 Einwohnern. Das Rathaus – dreistöckig, mit zwei Eckerkern – stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts und lässt sich stilistisch der Renaissance zuschreiben. Im Laufe der Zeit hat es einige Umbauten und Veränderungen erfahren; v. a. eine Kernsanierung im Jahr 1972 war im Innern mit merklichen Eingriffen in die Bausubstanz verbunden.

Der Burtenbacher Gemeinderat entschied sich im Jahr 2015, eine Generalsanierung des Bauwerks durchzuführen. Damit beauftragt wurde der Architekt Manfred Lux aus dem rund 30 km entfernten Schlipsheim, der den Ansatz verfolgte, den historischen Wert des Gebäudes wieder stärker herauszuarbeiten.
Zunächst ordnete er an der Hangseite einen flachen Anbau für das Archiv an und verlegte den Eingang an die Längsfassade, mit neuer Treppe samt Rampe. Beide neuen baulichen Elemente sind in Sichtbeton ausgeführt und setzen sich so von dem Bestand mit vorwiegender Putzfassade ab.

Die der Dorfmitte zugewandte Stirnseite besitzt einen Schweifgiebel, auf dem bereits barockisierende Gestaltungselemente durchblitzen. Diese schneckenartigen Linien greift der Architekt als Formspiel für die Gestaltung des Innenraums auf. So etwa bei der Treppenbrüstung aus Holz, die am Fußpunkt wie aufgespult wirkt und sich dann in einem eleganten Schwung nach oben schraubt. Die ansonsten formal reduziert gestalteten Räume sind v. a. von Materialien geprägt, wie sie seit Jahrhunderten verwendet werden und sich daher harmonisch in den Altbau fügen: Die Böden bestehen aus umbrafarbenem, fein geschliffenem und mit Wachs poliertem Terrazzo. Die Wände tragen einen cremefarbenen Kalkputz, der glatt aufgetragen und mit venezianischer Seife poliert wurde. Die Einbauten und Möblierungen schließlich sind aus Eschenholz gefertigt, poliert mit weißem, gekreidetem Öl. So werden seidenschimmernde und lebendige Oberflächen erzeugt, die eine gewisse Wärme und gleichzeitig Leichtigkeit vermitteln. Statt grauer Schreibtische und Aktenschränke also prägen diese Holzmöbel die Amtsstuben – teilweise begleiten umlaufende Sideboards nach Art einer historischen Vertäfelung die Wände.

Wichtig war es Manfred Lux, ortsansässige Handwerksbetriebe mit traditionellem Wissen zu beschäftigen. Gleichzeitig ermöglichte der Einsatz digitaler Produktionsmethoden die Umsetzung besonders anspruchsvoller Details. So wurden bei den Möbeln, Türen und sogar bei der Treppenbrüstung nur leim- und metallfreie Fügetechniken sowie natürliche Materialien eingesetzt. Dadurch ist es gelungen, ein ökologisch gesundes Ambiente für die Mitarbeiter zu schaffen.

~Thomas Geuder