Musée de Cluny in Paris

Zeitreise durch die Jahrtausende

Die Bauten des Museums stammen aus unterschiedlichen Epochen, der Spagat reicht vom Römischen Reich bis ins 19. Jahrhundert. Der neue Eingangstrakt übernimmt deren Formensprache und entwickelt sie mit modernen Ornamenten und Materialien weiter.

Bereit für eine (Wieder-)Entdeckung: Im Herzen des Quartier Latin liegt das Musée de Cluny, das die ehemaligen römischen Thermen ebenso umfasst wie einen spätgotischen Stadtpalast und einzigartige Kunstschätze. Obwohl die Ausgrabungen unmittelbar an den Boulevard Saint-Michel angrenzen, scheinen sie zwischen tosendem Verkehr, eilenden Passanten und den »trotinettes«, den omnipräsenten Elektro-Tretrollern, nur wenig Beachtung zu finden. Ein derzeit laufendes, umfassendes Restaurierungs- und Modernisierungsprojekt wird diesen historischen Ort wieder aufwerten. Bereits jetzt verleiht das neue Eingangsgebäude dem Museum mehr Präsenz im städtischen Leben. Der Pariser Architekt Bernard Desmoulin hat einen charaktervollen, zeichenhaften Bau entworfen, der sich gut in das Ensemble aus Römerzeit, Mittelalter und 19. Jahrhundert einfügt. In Form und Maßstab bezieht sich der Neubau auf das angrenzende Caldarium, wie dieses steht er giebelseitig zum Boulevard; sein sanft geneigtes Satteldach führt die bestehende Dachsilhouette weiter und fügt sie zu einem Doppelgiebel. Die homogen wirkende Fassade ist dann aber erkennbar ein Kind des 21. Jahrhunderts, auch wenn das bronzefarben changierende Metallkleid mit den warmen Tönen des Bestandsmauerwerks korrespondiert. Tatsächlich besteht die Hülle aus Gussaluminium und ist in sich differenziert: Platten mit körnigen oder glatten Oberflächen kontrastieren mit einem filigranen Muster, das sowohl als Prägung der massiven Platten als auch in den gitterartigen Paneelen zu finden ist, die als Screen vor den Verglasungen und als Schiebetore am Eingang dienen. Inspiriert ist das Muster vom fein ziselierten Steinschnitt der Kapelle im mittelalterlichen Gebäudeteil des Museums.

Im Innern bietet der Neubau den Besuchern eine zeitgemäße Infrastruktur und barrierefreie Erschließung. Das einladende, großzügige Foyer ist mit Sichtbeton und Einbauten aus dunklem Holz gestaltet. Seine großen Glasflächen geben bereits den Blick auf die römischen Mauern frei, bevor man über eine Treppe hinunter in den eindrucksvollen Raum des Caldariums gelangt. Zu den neugestalteten Ausstellungssälen im OG führt eine offene Treppe vom Foyer aus. Wohlgesetzte raumhohe Verglasungen bieten auch hier den unmittelbaren Bezug zu den Ausgrabungen, die man auch über einen Steg erkunden kann. Am Ende des derzeit noch verkürzten Rundgangs verlässt man den Neubau durch den Museumsshop, der über eine halbhohe dunkle Holzwand an das Foyer angegliedert ist. Der architektonische Auftakt ist vielversprechend – und man darf auf die neue Ausstellungsgestaltung gespannt sein.

~Claudia Fuchs