Hotel und Restaurant in Fontevraud (F)

Klosterkomfort

~Tanja Feil

Wo sich aus Denkmalschutzgründen Wand- und Deckenoberflächen nicht verändern lassen, verbessert man den Raumkomfort kurzerhand mit Möbeln: So geschehen beim Umbau der ehemaligen Priorei Saint-Lazare in Fontevraud. Für die Verwandlung in ein 4-Sterne-Hotel mit Restaurant zeichnen die Designer Jouin Manku und das Architekturbüro Gabor Mester de Parajd verantwortlich. Bei der Umgestaltung der weitgehend steinsichtigen Räume im EG waren hauptsächlich thermische und akustische Probleme zu lösen. Zwar wurde in der Kapelle, in der sich nun eine Bar und Mediathek befinden, eine Fußbodenheizung unter den alten Bodenplatten verlegt; sie erwies sich jedoch als wenig effizient. Um dort dennoch einen behaglichen Aufenthalt zu ermöglichen, schotteten die Designer die Sitzbereiche zu den kühlen Wänden hin mit Paravents aus akustisch wirksamen, perforierten Holzpaneelen ab, die mit dickem dunklem Stoff überzogen sind. So ließen sich die zu beheizenden Zonen verkleinern und zugleich winterliche Kälte und Wind von draußen abhalten. Aus denkmalpflegerischer Sicht vorbildlich: die Reversibilität des Eingriffs.
Der Gebäudekomplex ist Teil einer großen, gut erhaltenen Abtei im Loiretal; sie wurde 1101 gegründet und zählt als Grabstätte von Eleonore von Aquitanien und Richard Löwenherz heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Saint-Lazare wurde u. a. als Hospiz, Krankenhaus und Gefängnis genutzt, bevor man die Priorei bereits in den 80er Jahren erstmals in ein Hotel mit Restaurant umwandelte.
Jouin Manku mussten das gesamte Raumprogramm innerhalb des originalen Gebäudevolumens realisieren. Daher sind alle 54 Hotelzimmer individuell gestaltet, ihre Größe, Form und Ausstattung an die vorhandene Architektur angepasst. Trotz modernen Komforts sollte den Gästen auch ein intensives Erleben der Vergangenheit möglich sein. So finden sich in den Schlafräumen z. B. Bettkopfenden aus gefaltetem Leinen, das Mönchskutten nachbilden soll, oder hölzerne Wandverkleidungen, die an liturgische Möbel erinnern.
Das Restaurant ist im einstigen Kapitelsaal und in einem Teil des Kreuzgangs untergebracht. Dazu schloss man die Öffnungen zum Innenhof hin mit einer freistehenden raumhohen Verglasung. Der übrige Teil des Kreuzgangs blieb offen und dient als gedeckte Terrasse bzw. wie früher als Wandelgang. Das ehemalige Refektorium wird heute als Bankett- und Multifunktionssaal genutzt, mit einer 8 m langen Tafel im Zentrum. Was entlang der Längswände den Anschein von Chorgestühl erweckt, ist in Wirklichkeit eine praktische Aufbewahrung für Stühle und Tischerweiterungen. Vier textile Triptychen an den Wänden sollen auch hier die Raumakustik verbessern.