Kolumbarium St. Kamillus in Mönchengladbach

Böhm-Kirche entweiht

Erst profaniert, dann umgenutzt: Ein Sakralbau von Dominikus Böhm dient jetzt als Kolumbarium. Dem Büro bdmp Architekten ist es beim Umbau gelungen, im Innern mehr Platz zu schaffen, ohne den Charakter von Böhms Kirchenraum zu verfälschen.

Mit Lichtflächen durchsetzte Wände, die den Eingangsbereich rahmen und das Seitenschiff abtrennen: Viel mehr an Veränderung wird der Besucher der ehemaligen katholischen Kirche St. Kamillus in Mönchengladbach beim Betreten des Gebäudes nicht feststellen können. Erst, wenn er das Mittelschiff durchschritten hat und vom Chor zurück zum Eingang blickt, offenbart sich, wo der von Dominikus Böhm 1931 errichtete Sakralbau seine Gestalt wesentlich verändert hat. Drei der vier Emporen, die sich über dem Eingang befinden, sind in den Kirchraum hinein verlängert worden. Damit gelang es den Planern des ortsansässigen Büros bdmp Architekten, für die neue Nutzung als Grabeskirche zusätzlichen Raum zu schaffen.
Der Sakralbau gehört zu einem Ensemble von Bauten, das der Orden der Kamillianer in den 1930er Jahren errichtet hat und das heute unter Denkmalschutz steht. Die von Böhm entworfene Krankenhauskirche wurde nach der Schließung der angrenzenden Klinik entweiht und der Umbau zum Kolumbarium begann. Die bestehende Architektur sollte dabei möglichst unverändert erhalten bleiben.
Die lange Freitreppe, die zum Kirchenvorplatz mit der kolossalen Fassade aus dunkel gebrannten Ziegelsteinen führt, ergänzten die Architekten mit einer Rampenanlage. Sie führt barrierefrei zu einem Eingang im Untergeschoss und erinnert eher an einen kleinen Garten denn an ein schnödes Erschließungselement.
Im Innern des Gebäudes wird die Verlängerung der Emporen mit einer Stahlkonstruktion erreicht, die zum einen in den Wänden und Pfeilern des bestehenden Kirchenbaus verankert wurde und zum andern auf zwei neuen, im Grundriss kreuzförmigen Stahlstützen ruht. Mit der Stahlkonstruktion erfüllten die Planer die Forderung des Denkmalamtes, die neuen Einbauten reversibel einzufügen. Zum Kirchenraum hin begrenzen Brüstungen aus Glas die einzelnen Ebenen.
Die Urnengrabstätten, die sich wie neue Möbel in den Raum einfügen, halten respektvollen Abstand zum Altbau. Mit quadratischen Messing- oder weißen Marmorplatten, die auf drei verschiedene Weisen mit LED hinterleuchtet werden, lassen sich die einzelnen Fächer verschließen. Auch hier findet sich das vom Bestand übernommene Motiv des Kreuzes, das in den Fugen zwischen den Stahlrahmungen der Grabplatten lesbar wird. Die Marmorplatten harmonieren farblich mit dem vorhandenen Boden aus Solnhofener Platten und übernehmen deren Proportion und Raster. •
~Claudia Hildner