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Mehr Ökologie wagen

Vorschläge für eine MusterUMbauordnung
Mehr Ökologie wagen

Bei diesem Abriss werden die Fenster auf Wiederverwertbarkeit geprüft - einer der Vorschläge der Musterumbauordnung.
Bild: Architects for future

LBO-Bestimmungen führen häufig dazu, dass beim Bauen im Bestand mehr Substanz ausgetauscht und graue Energie vernichtet wird als nötig. Architects for Future schlagen nun Details einer MusterUMbauordnung vor, die für klimaneutrales Bauen sorgen soll.

Wenn wir die 1,5°-Grenze des Pariser Klimaabkommens einhalten wollen, kommen wir laut einer Studie des Wuppertal Instituts nicht darum herum, sämtliche Gebäude bis 2035 klimaneutral zu machen. Die Vorteile des Bauens im Bestand liegen dabei auf der Hand: weniger neue Bodenversiegelung, weniger Rohstoffverbrauch, weniger Schutt und weniger CO2-Austoß als bei Abriss und Neubau. Doch häufig wird auch im Bestand viel zu viel Bausubstanz ausgewechselt. Einer der Gründe liegt im Bauordnungsrecht, das bei Umnutzungen und Umbauten in fast jeder Hinsicht die gleichen hohen Standards verlangt wie im Neubau, etwa bei Fragen der notwendigen Stellplätze, des Schallschutzes und der Raumhöhen. Würde man hier die Bauordnung mit einer speziellen Umbauordnung ergänzen, ließen sich die Eingriffe in den Bestand und damit der ökologische Fußabdruck erheblich verkleinern. Umgekehrt finden vielerorts potenzielle Sanierungen, Aufstockungen und Erweiterungen vorhandener Gebäude trotz großer Leerstände erst gar nicht statt, während auf der grünen Wiese munter weitergebaut wird. Auch hier könnten neue Regelungen einen Beitrag für ein klimaschonenderes Vorgehen leisten. Planer wie Andreas Hild (Hild und K Architektur) fordern daher schon länger eine Umbauordnung.

Nun hat die Initiative Architects for Future (A4F) sich des Themas angenommen und ganz konkrete Vorschläge ausgearbeitet, wie sich die Musterbauordnung (MBO) zu einer MusterUMbauordnung weiterentwickeln ließe. Mit teilweise geringfügigen Änderungen im Wortlaut zur bisherigen MBO sieht Architects for Future ein großes Verbesserungspotenzial auf sieben Gebieten:

  1. Einführung von flexibleren Regelungen für das Bauen im Bestand
  2. Einführung einer generellen Genehmigungspflicht für Abrissmaßnahmen mit Verpflichtung zur Prüfung auf Sanierungsfähigkeit sowie für alle Bauvorhaben die Vorlage eines Rückbaukonzeptes
  3. Streichen der Kfz-Stellplatzforderung zugunsten ganzheitlich ausgerichteter kommunaler Mobilitätskonzepte
  4. Ergänzung der Regelungen für gesunde Belichtung und Belüftung und die Schaffung von qualitativen Stadt-und Freiräumen, anstelle von reinen Regeln für Abstandsflächen
  5. Änderung der Zulassungsbedingungen für Bauprodukte zugunsten wiederverwendeter Bauteile und Baustoffe
  6. Einführung eines Materialausweises für Gebäude, um verbaute Ressourcen für eine spätere Wiederverwendung zu dokumentieren
  7. Erhöhte Anforderungen an Typengenehmigungen – für Serienfertigung von Gebäuden – um auch hier ökologische und energetische Standards zu verankern, die einem klimaneutralen Gebäudebestand gerecht werden

Wie die Vorschläge zu diesen sieben Themenbereichen der MusterUmbauordnung im Detail lauten, lässt sich hier nachlesen.

Im Juli hat A4F die Vorschläge mit über 20 mitunterzeichnenden Verbänden aus der Baubranche und Unterstützung von ProfessorInnen aus Architektur und Ingenieurswesen als offenen Brief an die Bauministerkonferenz verschickt – mit der Aufforderung, eine Änderung der Bauordnung zu beschließen und zu erarbeiten. Ziel ist, dass die einzelnen Bundesländer die neuen Regelungen anschließend in die jeweilige LBO übernehmen.

~Christian Schönwetter

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