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Joanneumsviertel

Graz
Joanneumsviertel

~Paul Andreas

Die Erweiterung des am Rande der von der UNESCO geschützten Altstadt gelegenen und historisch über vier Jahrhunderte gewachsenen Ensembles aus Naturkundlichem und Historischem Museum (heute Sitz der Neuen Galerie) sowie der Landesbibliothek konnte nur an die Grenzen der Sichtbarkeit führen. Was dabei herausgekommen ist, überzeugt sowohl im bestechend einfachen Konzept wie in der präzisen Ausführung. Die fünf gläsernen Kegeltrichter – in ihren Radien und Winkeln individuell variiert – lassen nicht nur ausreichend viel Tageslicht in das unterirdische, sich über zwei Etagen erstreckende, neue Zentralgebäude; in ihrer ganzen lichterfüllten Skulpturalität erschaffen sie zumindest im 1. UG – das zweite beherbergt nur Depots – eine dynamisch leicht dahinfließende Innenraumlandschaft. Das zentrale Besucherzentrum in Sichtbetonästhetik wirkt dadurch nicht nur weiträumiger als es realiter ist, es wird dadurch auch mit den anderen Bereichen – zwei Veranstaltungs- und Seminarräumen, einem weitläufigen Bibliotheks-Freihandbereich sowie einer Multimedia-Sammlung – perspektivisch spannungsvoll zusammengehalten. Dass die skulptural gekrümmten, sonnengeschützten Doppelglastrichter zudem vexierspiegelartig die umliegenden barocken und neobarocken Fassaden einfangen, ist ein schöner spielerischer Nebeneffekt: Das Alte offenbart sich im Neuen in leichter optischer Verzerrung. Über Tage entfaltet sich zwischen den Bestandsbauten die lang gestreckte zentrale Hauptpiazza, öffentlich zugänglich von zwei Seiten. Abstrakte, in den Belag eingelassene Wellenlinien mit gelegentlichen Rasentupfern schaffen zwischen den Brüstungsrändern der Glaskegel eine künstliche Landschaft, eine Art monumentalen Zen-Garten. Tagsüber wirkt das naturgemäß etwas karg und gewinnt erst an Reiz, wenn nachts die filigranen Glasvolumen von innen heraus leuchten.
An der Leistung der Gesamtoperation schmälert es nichts: Die legendären Grazer Dachlandschaften haben durchaus ein ebenbürtiges Pendant unter Tage bekommen.
Standort: Kalchberggasse 4, A-8010 Graz Architekten: Nieto Sobejano Arquitectos, Madrid/Berlin, mit eep architekten, Graz Eröffnung: November 2011
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