Kreativquartier Alter Schlachthof in Karlsruhe

Kopfarbeit statt Knochenjob

Mode, Medien, Werbung, Film, Computerspiele — Unternehmen dieser Branchen werden derzeit systematisch in Gebäuden des ehemaligen Karlsruher Schlachthofs angesiedelt. Wie sich bezahlbarer Arbeitsraum für Kreative und gleichzeitig anspruchsvolle Architektur im Denkmal schaffen lassen, zeigen zwei der bisher realisierten Umbauprojekte.

{Text: Christian Schönwetter

Landluft schnuppern mitten in der Stadt? In Karlsruhe war das noch bis in die 90er Jahre möglich. Denn auf dem zentral gelegenen Schlachthofareal wurde nicht nur Fleisch produziert, sondern auch mit lebenden Tieren gehandelt. 1885-87 hatte Stadtbaumeister Wilhelm Strieder dort ein Ensemble von Sandsteinbauten zu einer schlossähnlichen Anlage arrangiert und symmetrisch an einer zentralen Achse ausgerichtet. In den Hallen auf der östlichen Seite fand der Viehmarkt statt, während auf der westlichen Seite – aus Hygienegründen durch Mauern strikt abgetrennt – die Gebäude für das Töten und die Fleischverarbeitung standen.
Als 2006 der Schlachtbetrieb endgültig eingestellt wurde, erwarb die Stadt das Gelände und treibt seither den Wandel zu einem Kultur- und Kreativquartier voran. Nach und nach saniert sie die Gebäude. Statt auf schnellen Profit, setzt sie dabei auf eine langfristige Entwicklung und behält die Bauten in ihrem Eigentum. Die Einzelprojekte sind so kalkuliert, dass sie bei maßvollen Mieten erst nach 20-30 Jahren die Umbaukosten eingespielt haben müssen. Auf diese Weise bleiben sie für Kulturschaffende erschwinglich.
Das gesamte Gelände unterliegt einem einheitlichen Gestaltungsplan. Um den Charakter als zusammenhängender Gewerbehof beizubehalten, werden beispielsweise keine Straßen und Bürgersteige angelegt; vielmehr gibt es eine durchgängig ebene Bodenfläche, deren bestehende Asphaltdecke bewahrt und, wo nötig, ergänzt wird. Da fast der komplette Gebäudebestand Denkmalschutz genießt, erfolgen die Umbauten mit besonderer Sorgfalt. ›
  • 1 Bürogebäude, ehem. Schweinestall
  • 2 Existenzgründerzentrum, ehem. Schweine markthalle
  • 3 Kulturzentrum Tollhaus
  • 4 Gasthaus