Anschubfinanzierung

Rettung für die Multihalle?

Als im Juni der Gemeinderat von Mannheim aus heiterem Himmel den Abriss der denkmalgeschützten, sanierungsbedürftigen Multihalle von Frei Otto und Carlfried Mutschler beschloss, war das angeblich ein wohlkalkulierter Warnschuss. Man habe sehen wollen, »ob der Wind der Empörung die Segel für den Erhalt bläht«, sagte Oberbürgermeister Peter Kurz laut Rhein-Neckar-Zeitung auf der Pressekonferenz zur Gründung des »Vereins Multihalle« Ende Oktober. Und das tat sie: U. a. die Architektenkammer, der Bund Deutscher Baumeister und der Architekten- und Ingenieurverein Mannheim waren sofort auf dem Plan und forderten in einem offenen Brief den Erhalt und einen Antrag auf Aufnahme ins UNESCO-Weltkulturerbe. Immerhin ist das Bauwerk, 1975 als temporäre Halle für die Bundesgartenschau geplant, bis heute die größte freitragende Holzgitter-Schalenkonstruktion der Welt und dazu weitestgehend im Originalzustand (s. auch »… in die Jahre gekommen« in db 9/2015, S. 54).

V. a. der sofortigen Zusage auf 10 000 Euro »Anschubfinanzierung« durch die Architektenkammer ist es zu verdanken, dass nun die Vereinsgründung durch die Stadt Mannheim und die Architektenkammer Baden-Württemberg verkündet werden konnte. Dessen Hauptaufgabe ist die Einwerbung von Spenden: Bis Ende 2017 müssen mindestens 12 Mio. Euro zusammenkommen, um die Grundsanierung für die Multihalle durchführen zu können. Wenn das nicht geschieht, will der Gemeinderat an seinem Abrissbeschluss festhalten – denn so viel Geld hat die Kommune nach eigener Aussage nicht. Momentan kostet allein die Beheizung des Baus die Stadt jährlich 30 000 Euro – und das, obwohl er als temporäre Konstruktion für einen Sommer gar keine Heizung besitzt. Doch muss u. a. das Dach frei von Schnee gehalten werden, um zu hohe Lasten, eine zu starke Beanspruchung der PVC-Haut und eindringendes Wasser zu vermeiden.
Ein weiteres Problem, das so viele denkmalgeschützte Bauten betrifft: Über die Nutzung ist man sich noch ziemlich im Unklaren. Was die Stadt nicht will, ist eine Nutzung wie zuletzt vor der Schließung wegen Unbegehbarkeit 2011: Mittelalter- und Flohmärkte. Das ist zu wenig, gesucht wird nach einem Konzept mit »Mehrwert« für die Stadt und den Stadtteil, aber auch für die Region. Deshalb plant die Architektenkammer für Anfang März einen Workshop, der in der Halle selbst stattfinden soll. Der Kreis der Fachleute, die daran teilnehmen sollen, wird noch zusammengestellt. ~dr