Orte der Erinnerung

~Carsten Sauerbrei

Einen Ort der Stille, des Gedenkens und der persönlichen Trauer wollten sie schaffen, so beschreiben Rüthnick Architekten, Berlin, ihr Gestaltungskonzept für die am 15. November eingeweihte neue Gedenkstätte der Bundeswehr. Gewidmet ist sie vorwiegend den 104 im Auslandseinsatz verstorbenen Soldaten, aber auch weiteren, die bei Ausübung ihres Diensts ums Leben gekommen sind. In die Anlage sollten neben einem neuen Informations- und Erinnerungsort auch sieben von Soldaten in Feldlagern errichtete Ehrenhaine für getötete Gefährten integriert werden.
Auf Wunsch der Hinterbliebenen befindet sich die öffentlich zugängliche Anlage abseits des Berliner Politikbetriebs in Geltow bei Potsdam, auf dem Gelände des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr. Dort empfängt den Besucher zunächst ein halboffener Pavillon [6], der über die Auslandseinsätze von deutschen Soldaten und Erinnerungsorte der Bundeswehr informiert, so auch über das 2009 eingeweihte zentrale Ehrenmal am Berliner Bendlerblock. Im Gegensatz zu diesem vermieden die Architekten hier jedes – leicht falsch zu verstehende – Pathos, indem sie konsequent auf Symmetrien verzichten und die Anlage weitestgehend in die umgebende Landschaft einbetten. So verspringt die zentrale Achse, der »Weg der Erinnerung«, mehrmals. Stelen [7] und Ehrenhaine rechts und links der Achse sind unregelmäßig angeordnet. Die Wände und Decken der beiden Pavillons zu Beginn und am Ende der Achse wurden asymmetrisch durchbrochen.
Dennoch würdevoll wirkt der Ort durch die verwendeten Materialien – den erdfarbenen Ziegel im Langformat, der als dominierendes Material die Anlage zusammenfasst, die Bronzelettern für die Namen der getöteten Soldaten auf den Stelen und das goldfarbene Orientierungslicht entlang des Wegs. Nur dem »Ort der Stille« – ein zweiter Pavillon [8], der als Abschluss der Achse zum Verweilen dienen soll –, fehlt es an jener räumlichen Qualität, die ihn tatsächlich zu einem Ort der stillen, geistigen Reflexion hätte werden lassen können. Auf Widmungen, künstlerische Interventionen oder eine räumlich-spirituelle Verdichtung wurde mit Ausnahme des wenig aussagekräftigen »Eisernen Kreuzes« als Hoheitszeichen der Bundeswehr leider verzichtet.
Für die Kameraden der verstorbenen Soldaten sind vermutlich ohnehin die zurückgeführten, neben den Stelen angeordneten Ehrenhaine die wichtigeren Erinnerungsorte. Sie markieren auch den Übergang zur Natur und zum etwas höher gelegenen »Wald der Erinnerung«. Dort können Hinterbliebene nach dem Vorbild eines Friedwalds einzelne Bäume mit Erinnerungsstücken und Widmungen als ihren ganz individuellen Erinnerungsort gestalten.