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Museumsneubau am Berliner Kulturforum: Die Visualisierung aus der Vogelperspektive zeigt die ursprünglichen Ausmaße des geplanten Museums aus dem Wettbewerbsentwurf. Der aktuell ausliegende Bebauungsplan berücksichtigt u.a. einen vergrößerten Abstand zur St.-Matthäus-Kirche (rote Linie). Auf dieser Basis wird der Entwurf angepasst.
Foto: Herzog & de Meuron / Vogt Landschaftsarchitekten

M20 in Berlin zur Wiedervorlage

~Jürgen Tietz

Dem brillanten Ruf Berlins, mit hoher Inkompetenz schwierige Bauaufgaben erfolgreich zu verbaseln, hat offenbar auch die aktuelle Bausenatorin wenig entgegenzusetzen. Im Rahmen einer ausverkauften Diskussionsrunde zum Neubau des Museums des 20. Jahrhunderts (M20) am Kulturforum mit Jacques Herzog und Pierre de Meuron in der Akademie der Künste wusste sich Katrin Lompscher mit Berliner Schnauze zu profilieren und widmete sich in ihrem Beitrag v. a. der Gestaltung der neuen Tram-Haltestelle vor dem künftigen Museum. Grün und hübsch oder lieber steinern urban? Fragen von existenzieller Wichtigkeit an der Spree. Ob das neu berufene Beratungsgremium fürs M20 unter Leitung von Arno Lederer da beraten kann? Oder will? Vorrangig wird es wohl damit beschäftigt sein, nach allen Richtungen die Juryentscheidung des scharf kritisierten Wettbewerbs zu erläutern.

Überhaupt, das Museum. »Wir können das, glaub’ mir, Wilfried«, verkündete Jacques Herzog gegenüber dem Mitinitiator der Veranstaltung, Wilfried Wang, zum Ende seines eindrucksvollen Selbstlobs in Sachen Museumsbau. Ja, wir glauben es gerne. Ihr könnt das, habt ihr weltweit museumsüppig bewiesen. Allerdings vermögen auch Pritzker-Preisträger nur zu leisten, womit sie beauftragt sind. Doch leider sind Herzog & de Meuron nicht mit der Neuordnung des rückwärtigen Kulturforums samt stolpernder Zugangsrampe, Sonderausstellungsraumgewürge und Gemäldegaleriewurmfortsatz beauftragt, sondern einzig damit, durch einen satteldachigen Archaikriegel zwischen Philharmonie und Neuer Nationalgalerie das rückwärtige Kulturforum noch wirkungsvoller von den Besucherströmen abzutrennen. Als Weiterentwicklung seit dem Wettbewerb vor einem Jahr wusste man zu berichten, dass das M20 um wenige Meter geschrumpft wurde, damit die Sichtbeziehung zwischen den flankierenden Ikonen der späten Moderne weniger gestört sind und die Matthäikirche sichtbar bleibt. Na, da kommt Vorfreude auf. Zumal zur geplanten Fertigstellung 2023 vor der scheunenschlichten Kunst-Mall gewiss eine schicke Trambahnstation zum Verweilen einladen wird.

www.nationalgalerie20.de