(c) ICC, Berlin

ICC oder nicht ICC

~Bernhard Schulz

1979 wurde das Internationale Congress Centrum, das ICC Berlin, eröffnet. So viel ist gewiss; und auch, dass der riesige, 320 m lange, 80 m breite und 40 m hohe Bau mehrfach als weltbestes Kongresszentrum ausgezeichnet wurde. Entworfen wurde es vom Architektenduo Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte, deren bei Weitem größtes Bauwerk es blieb. Aber schon bei den Kosten gab es herbe Unstimmigkeiten, sie wurden anfangs auf 160 Mio. D-Mark geschätzt und endeten, so die erst viele Jahre später erstellte Schlussabrechnung, bei 924 Mio. Mark. Und dann wurde das ICC 2014 dichtgemacht. Die Messegesellschaft als Betreiberin wollte es nicht mehr, »Klotz am Bein« wäre wohl der treffende Ausdruck. Nach insgesamt zehnjähriger Diskussion hat sich der Berliner Senat dazu durchgerungen, das ICC erhalten zu wollen, und 200 Mio. Euro für die Sanierung in die mittelfristige Finanzplanung aufgenommen; nur dass diese Summe bei Weitem nicht reicht. Schätzungen 2011 kamen auf 328 Mio. Euro Gesamtkosten, und hochgerechnet auf den frühestmöglichen Beginn der Sanierung Anfang 2018 kommt man leicht auf 450 Mio. Euro.
Darüber, aber leider nicht nur darüber, sondern über alles Mögliche rings um das Berliner Kongresswesen diskutierte Anfang November eine Runde im Rathaus Charlottenburg, dem Heimatbezirk des ICC. Aber weil mit allen möglichen Zahlen – die der Kongresse, der Übernachtungen, der Hotelbetten – hantiert wurde, kam das eigentliche Thema nie richtig in den Blick: Soll das ICC erhalten werden, wie weit kann es als Baudenkmal erhalten und genutzt werden, und was folgt daraus, baulich, denkmalpflegerisch, kostenmäßig? Die Messegesellschaft ist skandalös desinteressiert, der Bezirk nicht zuständig, und der Senat hat sich darauf verständigt, nicht mehr als zwei Großprojekte gleichzeitig zu betreiben. Gebranntes Kind scheut’s Feuer, als da wären das Milliardengrab Flughafen BER und die auch schon die 400-Mio.-Euro-Grenze durchstoßende Sanierung der Staatsoper. Währenddessen wird das ICC für 1,4 Mio. Euro jährlich vor der Verrottung bewahrt, belüftet und wohl wird auch mal der ein oder andere Schalter angeknipst. Ein Baudenkmal, das mehr als irgendein anderes für den technoiden Fortschrittsoptimismus der 70er steht, liegt brach: eine silbern glänzende Metapher für das Dauerversagen der Berliner Lokalpolitik.