Europa Nostra benennt »7 Most Endangered Heritage Sites«

Bauerbe in Gefahr

Es ist keine schöne Hitliste, die die europäische Denkmalschutzagentur Europa Nostra jedes Jahr aufstellt: sieben Bauwerke, die durch Vernachlässigung besonders in Gefahr sind, für immer verloren zu gehen. Aus dem 20. Jahrhundert stammen dieses Jahr Bauten aus Slowenien, Albanien, Polen und Norwegen.

Kaum noch als solches zu erkennen ist das Freiluftstadion von Jože Plečnik in Ljubljana (SLO). Bis vor 13 Jahren wurde das Stadion von 1925 noch genutzt, nun will der neue Besitzer die meisten originalen Bestandteile abtragen und ein neues Stadion bauen, plus Hotel-, Büro- und Gewerbebauten. Eigentlich sind alle Bauten Plečniks in der slowenischen Hauptstadt denkmalgeschützt und sollen nach dem Willen der Regierung in die UNESCO-Welterbeliste eingetragen werden, nicht so jedoch das Stadion. Daher kämpft die slowenische Architektenvereinigung für den Erhalt im originalen Zustand.

Das albanische Nationaltheater in Tirana, erbaut 1938-39, ist unmittelbar vom Abriss bedroht. Obwohl es integraler Bestandteil der Stadtachse ist, wollen es die Behörden einem Neubau opfern. Außerdem gilt es als bedeutendes Zeugnis der italienischen Moderne und des Einsatzes vorgefertigter Holzfaser-Zement-Paneele. Seit Jahren gibt es regelmäßig Proteste von Stadtbevölkerung und Fachkreisen, die zurecht darauf hinweisen, dass eine fachgerechte Sanierung der Stadt zu ihrem diesjährigen 100. Jubiläum als albanische Hauptstadt besser zu Gesicht stünde als ein Abriss.

Ebenfalls große Emotionen hat der geplante Abriss des Y blokk in Oslo bei den sonst so mit ihrer Regierung einverstandenen Norwegern hervorgerufen. Das 1969 von Erling Viksjø entworfene Gebäude enthält zwei Wandreliefs, die als innovative Technik direkt in den Beton eingefräst wurden – seltene Beispiele für Kunst von Picasso an öffentlichen Gebäuden.

Die vier weiteren gefährdeten Denkmale sind das Kraftwerk Szombierki in Bytom (PL) aus den 20er Jahren, das barocke Schloss Jezeří in Horní Jiřetín (CZ), das orientalisierende Schloss Sammezzano in der Toskana sowie die Burg in Belgrad inkl. Umgebung.

Das Ziel von Europa Nostra ist es nun, die Entscheidungsträger zu beraten, vom Erhalt zu überzeugen und ggf. auch Möglichkeiten der Finanzierung aufzuzeigen. ~dr

www.europanostra.org