Berlin

Baugemeinschaft für kulturelles Gewerbe »Frizz23«

~Jürgen Tietz

Die Berliner Baugruppen gelten als Innovationsmotor und architektonische Qualitätsnischen im Wohnungsbau der Hauptstadt. Beim Frizz23 beschreiten das Forum Berufsbildung e. V., FrizzZwanzig sowie Miniloft Kreuzberg einen neuen Weg als gemeinsame Gewerbebaugruppe.
Die Trias der Bauherrschaft lässt sich dabei grob in der Gliederung des Gebäudes ablesen. Direkt neben dem schweizerisch exaltierten Stahlgerüst des neuen taz-Gebäudes von e2a bekam das Forum Berufsbildung, das seinen Stammsitz im Quartier hat, neue, dringend benötigte Seminarräume. Dem in unterschiedliche Einheiten gliederbaren EG schließen sich in den OGs die funktionalen Gruppenräume an, bekrönt von einer Dachterrasse. Am anderen Ende des Bauköpers sind in einem kleinen siebengeschossigen Turm unterschiedlich große Minilofts untergebracht. Auf dem Boden des Cafés im EG markieren farblich differenzierte Steine den Standort der von Schinkel erbauten Sternwarte, von der aus der Planet Neptun entdeckt wurde. Aus den Lofts bieten sich v. a. charmante Blicke quer durch die Berliner Mitte bis zum Humboldthain. Zwischen diesen beiden Bauteilen »eingesandwicht« hat die Kreativwirtschaft ihre Werkstätten und Büros, darunter auch der neue Standort für die Zeitschrift Arch+. Ziel war es, einen möglichst flexibel bespielbaren Rahmen für die unterschiedlichen Nutzungen zur Verfügung zu stellen. Die Betonkonstruktion mit einer Fassade aus nachtblauem Aluminium und karbonisiertem Lärchenholz setzt dabei durch die ungewohnte Farb- und Materialkombination nach außen reizvolle Akzente. Das sanfte Holz-Zickzack zwischen EG und 1. OG soll an die kriegszerstörte Markthalle 2 erinnern, die Schinkels Sternwarte folgte. Eine Reminiszenz, die sich im Rahmen des langen Diskurs- und Planungsprozesses unter den beteiligten Akteuren ergab, wie Mathew Griffin von Deadline erklärt. Wie schon das integrative Bauprojekt IBeB (db 7-8/2018, S. 56) ist auch das Frizz23 aus dem Konzeptvergabeverfahren für das Areal rund um die ehemalige Blumengroßmarkthalle hervorgegangen. Das Ergebnis ist ein kleinteiliges Quartier, wie Jane Jacobs es forderte, mit einem überzeugenden aufgelockerten Städtebau auf Grundlage einer städtebaulichen Studie von BBZL. Im Zusammenklang mit Besselpark, Jüdischem Museum und den denkmalreifen IBA-Bauten der 80er Jahre wird es auch jenseits seiner Kernzielgruppe (Kreativwirtschaft) Anziehungskraft entfalten.

Standort: Friedrichstraße 23, 10969 Berlin
Architekten:
Deadline Architekten, Berlin
Bauzeit:
August 2016 bis September 2018, Eröffnung: November 2018