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Becoming Istanbul (Frankfurt/Main)

Ausstellungen
Becoming Istanbul (Frankfurt/Main)

~Franziska Puhan-Schulz

Zum diesjährigen Buchmesse-Schwerpunkt Türkei hat der Direktor des DAM, Peter Cachola Schmal, die Istanbuler Garanti Galeri eingeladen, im Deutschen Architekturmuseum eine Ausstellung über ihre Heimatstadt zu zeigen. Ziel des dreiköpfigen Kuratorenteams, bestehend aus: Pelin Dervis, Leiterin der Garanti Galeri sowie den Architekten und Architekturhistorikern Bülent Tanju und Ugur Tanyeli, ist es, das klischeebeladene Bild von der »Perle am Bosporus« zugunsten einer vielschichtigen Stadtwahrnehmung zu revidieren. Hierfür wählten die Kuratoren 350 Zeitschriftenartikel, TV-Clips sowie Videos von Künstlern und Fotografien aus und ordneten diese einer Begriffsstruktur zu, die sie parallel entwickelten.
Beim Betreten der Ausstellung sieht man an der Längsseite acht 2 x 1,5 Meter große Projektionsflächen mit weißer Schrift auf schwarzem Grund. Die acht Begriffspaare, zum Beispiel: altern – erneuern, Bewegung – Stillstand oder rein – vermischt, sollen die aktuellen Entwicklungen der Stadt erfassen. Auf schwarzen »Miura«-Hochtischen von Konstantin Grcic sind die Computer-Mäuse zur Navigation platziert. Klickt man eins dieser Begriffspaare an, gelangt man wiederum zu Unterbegriffen und Thesen wie »Fortschritt hält Veränderung auf Linie«. Das steht dort allerdings auf Englisch, eine Übersetzung der Navigation ins Deutsche und ins Türkische gibt es nur in der ausgelegten Broschüre. Die medialisierten Objekte sind den Unterbegriffen zugeordnet. So kann der Betrachter das Video einer von Obdachlosen bewohnten Hausruine in der Innenstadt neben der Fotoserie von Luftaufnahmen verschiedener Stadtteile oder einem Film über die »Gecekondus« (illegale Siedlungen, die quasi über Nacht entstehen) einsehen. Die von Prof. Murat Güvenc entwickelten animierten Karten werden großflächig auf die beiden Raumenden projiziert. Um die Entwicklung der Stadt zur »Leading Global City« zu dokumentieren, werden in schnellem Takt unter anderem die Buslinien von und nach Istanbul, die Verbreitung privater Krankenhäuser aber auch McDonald’s-Filialen in der Stadt oder die verschiedenen Bevölkerungsdichten innerhalb der Türkei gezeigt.
Ein vielschichtiges Bild der Stadt zu transportieren, ist den Kuratoren zwar gelungen, aber der sinnliche Eindruck kommt trotz des erheblichen Aufwands zu kurz. Die Wahl der Projektionsgröße führt dazu, dass die Bilder der Stadt auf Distanz bleiben. Die Kakophonie des Nebeneinanders lenkt von der Ästhetik und Antiästhetik einiger der Künstlerfilme und Fotografien ab, und die Zeitungsartikel flirren selbst in der vergrößerten englischen Übersetzung vor den Augen. Sinnvoll ergänzt wird die Ausstellung allerdings durch das enzyklopädisch angelegte Katalogbuch, das eine Sammlung aktueller Diskurse über die Stadt präsentiert.
Laut Dervis wird das »Project in Progress – Becoming Istanbul« 2009 im neuen Garanti-Kulturzentrum in Istanbul präsentiert werden.
Vielleicht sollte man diese Ausstellung ein- fach als großartiges, wachsendes Archiv begreifen.
Bis 9. November. Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 43, Di–So 11–18, Mi 11–20, Katalog deutsch / englisch 25 Euro, www.dam-online.de
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