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Vom Bestattungsinstitut bis zur Trauerhaltestelle

Architektur in der Bestattungsbranche: Ergebnisse des studentischen Wettbewerbs
Vom Bestattungsinstitut bis zur Trauerhaltestelle

Eingestaubte Urnen, künstliche Blumen und vergilbte Vorhänge: Bereits die Schaufenster der meisten Bestattungsunternehmen wirken alles andere als einladend; von den Beratungs- und Ausstellungsräumen ganz zu schweigen. Das nahmen das Kuratorium Deutsche Bestattungskultur, der Bund Deutscher Innenarchitekten (BDIA), Landesverband Nordrhein-Westfalen und die db deutsche bauzeitung 2011/12 zum Anlass, den Studentenwettbewerb »Trauer braucht Raum: Architektur in der Bestattungsbranche« auszuloben.

Ziel des studentischen Wettbewerbs war es, die Aufmerksamkeit und Sensibi- lität für die Themen Tod und Trauer zu steigern sowie der Bestattungs- branche architektonische und innenarchitektonische Impulse zu geben. Damit Menschen in einer der schwierigsten Situationen ihres Lebens Räume und Orte vorfinden, die ihnen gut tun. Ausgezeichnet wurden Studentenent- würfe und Entwürfe von Absolventen der Studiengänge Architektur und Innenarchitektur, die sich mit der Bauaufgabe Bestattungsinstitut befasst haben oder ansonsten Orte für Abschiednahme und Trauer entworfen haben. Bewertet wurden dabei gestalterische und organisatorische Aspekte ebenso wie trauerpsychologische bezogen auf die gewählten Materialien, Formen, Farben und die Lichtführung.

Die 145 eingereichten Arbeiten wurden von den Jurymitgliedern Birgit Schwarzkopf (Innenarchitektin und Vorsitzende des BDIA in NRW), Kerstin Gernig (Kuratorium Deutsche Bestattungskultur, Düsseldorf und Initiatorin der Veranstaltung) Ulrike Kunkel (Chefredakteurin db), Martin F. Müller (Innenarchitekt und Vizepräsident der BAK), Jörg Freudensprung (Bestattungsunternehmen Pietät Freudensprung, Bamberg) und Ralf Michal (Michal Bestattungsunternehmen, Schweinfurt) diskutiert, beurteilt und bewertet; die Preisträger im Rahmen des ebenfalls vom Kuratorium Deutsche Bestattungskultur, dem BDIA NRW und der db veranstalteten Symposiums zum Thema am 20./21. September 2012 in Berlin vorgestellt und ausgezeichnet.
Mit einem Preis wurde der Entwurf eines großstädtischen Bestattungsinstituts in zentraler Lage von Ruth Haller (Konstanz) bedacht. Er überzeugt v. a. durch die Höhenstaffelung der Baukörper. Die unterschiedlichen Funktionen sind zudem durch einen Wechsel von Material und Farbe bereits von außen ablesbar. Dank verschiedener Perforationen wird die kompakte Form aufgelöst [1]. Weitere Preisträgerin ist Judith Frankenberg (Berlin). Ihr Entwurf eines um Trauerräume erweiterten Friedhofskomplexes in einer Bestandssituation lebt wesentlich von der Wahl des Maßstabs und dem Einsatz natürlicher, warmer Materialien (Stampflehm). Neben den aufgenommenen Sichtachsen überzeugt die Konzeption der unterschiedlich hohen und breiten Gebäude sowie der Umgang mit Licht [3].
Ebenfalls ausgezeichnet wurde der Entwurf für ein Bestattungsinstitut von Meike Wilhelms (Oldenburg). Er überzeugt durch die klare Trennung der betriebsinternen und der für das Publikum zugänglichen Bereiche. Die schlichte Materialsprache erlaubt individuelle Ausgestaltungen der Trauerfeiern und ist, der Zeit angemessen, konfessionell nicht gebunden. Neben der Gradlinigkeit prägt den Entwurf die gelungene Verbindung von Innen- und Außenraum sowie das Spiel mit Licht und Schatten [2].
Mit einem Sonderpreis des BDIA NRW wurden Solveig Schacht (Kiel) und Mareile Rickers (Wuppertal) für ihre Trauerhaltestelle bedacht [4] einem Ort für individuelle Trauer im öffentlichen Raum. Dabei wird mit Lichteinfall ebenso gespielt wie mit dem Thema Vergänglichkeit – mit Kohlestiften hinterlassene Inschriften verschwinden durch Witterungseinflüsse wieder. Der zweite Sonderpreis ging an Nina Berger (Kaufungen) für ihren Entwurf eines Ruheforsts mit verschiedenen Räumen für Trauer und Abschiednahme. Wie in einem Skulpturenpark sind die architektonischen Bausteine (Kapelle, Aufbahrung [5] u. a.) dabei im Wald verteilt.
Lobende Erwähnungen für den Entwurf eines Bestattungsinstituts erhielten Elias Fuchs und Frank Lindner (Hannover) sowie Yvonne Raschke (Dresden).
Parallel zum Studentenwettbewerb fand ein zweiter Wettbewerb, der sich an Architekten und Bestatter wandte, statt. Im Schwerpunktteil (ab S. 16) stellen wir das Preisträgerprojekt, das Bestattungshaus Feuerstein in Bludenz vom Architekturbüro rainer + amann aus Feldkirch vor. • ~uk
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