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Stadtbaustein als Bindeglied

Studien zur Stadtreparatur in Havanna
Stadtbaustein als Bindeglied

Diplomarbeit von Wiebke Lemme (Studie 1), Anke Böhme, Bettina Haase (Studie 2), Nadya Faris-Bibawi, Loris Negro und Jan Schneidewind, Hans Henning Hinrichsen (Studie 3), Annika Schulz (Studie 4)

Bauhaus-Universität Weimar, Betreuung: Prof. Walter Stamm-Teske, Henriette Spörl
Preisträger Taut-Stipendium 2004
Der Diplomarbeit ging eine einmonatige Reise nach Havanna voraus, welche die Annährung an die Stadt, ihre Bewohner, die politische Situation und die damit verbundenen Lebensumstände ermöglichte. Vor Ort erarbeitete die Gruppe eine vielschichtige Analyse der Innenstadt Havannas in Bezug auf das zu bearbeitende Gebiet.
An der Nahtstelle der Stadtgebiete Centro Havanna, Las Murallas und Barrio Chino in unmittelbarer Nähe zum Capitolio, weist Havannas dichtes städtisches Gewebe, welches dem allmählichen Verfall nur durch seine schiere Dichte trotzen kann, eine brüchige Stelle auf. Gerade in diesem sensiblen Stadtbereich, wo Verkehrsachsen übergeordneter Bedeutung aufeinander treffen, verlieren sich die Ordnungen und Beziehungen der städtischen Räume und Achsen aufgrund zerfallener Raumkanten in Zufälligkeit. Der zu bearbeitende Block nimmt bei der Definition der urbanen Hierarchien eine Schlüsselposition ein. Die noch existierende Substanz wird in großen Teilen der herausragenden Situation zwischen der begrünten Anlage des großstädtischen Parque de la Fraternidad und der quartiersinternen Plaza de Vapor nicht gerecht. Die zu erhaltende Substanz des Blocks beläuft sich etwa auf ein Drittel seiner Gesamtfläche und steht im Gegensatz zu seiner Bedeutung, die ihm im städtischen Kontext als Bindeglied zwischen verschiedenen Stadtgebieten mit ihren jeweiligen eigenen baulichen und funktionalen Bedeutungen zukommt.
Drei Ansätze Diese Situation war für die Bearbeiter ausschlaggebend dafür, mehrere Ansätze mit unterschiedlichen Schwerpunkten zu verfolgen. Gleichsam exemplarisch werden verschiedene Bebauungskonzepte für die möglichen Entwicklungsrichtungen Havannas unter Berücksichtigung der vorhandenen Bebauung und der vorgegebenen Dichte entwickelt. Durch die als ein Projekt zusammengefassten Studien werden typologische Antworten für unterschiedliche Nutzungen aufgezeigt, die über die einzelnen Projekte hinaus auf den Umgang mit wesentlichen Elementen der Stadtstruktur verweisen.
Studie 1 – Wohnblock in Centro Havanna Zunächst wurde die vorgefundene Parzellenstruktur neu interpretiert. Mehrere Parzellen werden jeweils zu durchgehenden Bebauungsfeldern zusammengefasst, die unabhängig voneinander beplant werden können, jedoch einer Art Masterplan unterliegen. Dieser schreibt ab dem ersten Obergeschoss eine Fuge zwischen benachbarten Baufeldern vor. So treten an die Stelle der ehemaligen Brandwände blockinterne Erschließungsfugen; es entstehen einfache Randbausteine und komplexere Doppelbausteine im Blockinneren. Die Doppelbausteine werden durch eine Raumschicht, den inneren Hof, ergänzt. Dies löst die Probleme der isolierten Bebauung tiefer Parzellen: Querlüftung und Belichtung im Blockinneren sind mit Hilfe der Höfe und Fugen gewährleistet. In dieser Methode liegt Potenzial für den generellen Umgang mit der fragmentierten Substanz Centro Havannas. Mit dem Zusammenlegen von Parzellen und das Einfügen von Höfen und Gassen kann man zeitgerechten Wohnungsbau in die Struktur einfügen, ohne deren Maßstäblichkeit und Charakter zu zerstören.
Doppelbaustein »Knoten« Die Köpfe der beiden Gebäudeteile an der Calle Amistad und Calle Aguila mit Hauszugängen und Gewerbeeinheiten sind auf die ursprüngliche Parzellenbreite reduziert. Damit orientiert sich dieser Gebäudekomplex sehr stark ins Blockinnere. Der umschlossene Hof ist ein Beispiel für einen privaten Wohnhof. Dreigeschossige, reihenhausähnliche Hofhäuser werden von dort aus erschlossen. Durch das Absenken des Hofniveaus intensiviert sich der private Charakter. Die Erschließung des Geschosswohnungsbaus in den darüber liegenden Etagen tangiert den Hof nur, denn die Zugänge aus dem Stadtraum münden auf Straßenniveau in foyerartigen, offenen Treppenaufgängen, die seitlich am Hof liegen und in diesen hinabschauen. Park- und Platzhaus ergänzen sich in ihrer Erschließung. Durch die Verbindung der Laubengänge über Brücken entlang der Schmalseiten des Hofes entsteht eine spiralförmige Bewegung, welche ihren End- und Wendepunkt auf der gemeinsamen Dachterrasse findet, die als Gegenpol zum Hof den Komplex im Gleichgewicht hält. W. L.
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