Pavillon in Korbach

Den Himmel im Blick

Kein Auftrag, keine Ausschreibung, aber eine spontane Idee, das war der Ausgangspunkt für den Erhalt des ehemaligen Wirtschaftsgebäudes mitten in Korbach. Christoph Hesse verhinderte den Abriss des Häuschens und baute es zu einem Raum der Stille um.

Trotz seiner gerade einmal 23500 Einwohner hat das nordhessische Städtchen Korbach einen Hauptbahnhof. Nur wenige Schritte von dort entfernt sollte im Hinterhof eines Neubauprojektes ein kleiner Ziegelbau – er war vielleicht mal Ziegenstall oder Waschhaus, so genau weiß das niemand mehr – für zusätzliche Autostellplätze weichen. Doch die Bausubstanz war bis auf ein schadhaftes Dach gut und so stand für den Architekten des Neubaus, Christoph Hesse, sehr schnell fest, dass er das Häuschen erhalten wollte. Der Bauherr war einverstanden – nur kosten durfte es nichts.

Und so wurde die Umsetzung ein Gemeinschaftsprojekt: Der Dachdecker des eigentlichen Bauvorhabens entfernte das alte Dach und der Rohbauer gab den Ziegelwänden mit einem Ringanker aus Beton Halt. Auf ein neues Dach wurde verzichtet, der Innenraum öffnet sich nun zum Himmel. Architekt und Nachbarn bepflanzten den neu entstandenen Freiluftraum mit Blumen, Kräutern, Büschen und Bäumen. In der Mitte des begrünten Hauses schaukelt eine Hängematte, die nur von vier Steinen an langen Seilen in Balance gehalten wird.

Diese Installation soll auch als Sinnbild dafür stehen, dass wir 100 % regenerative Energie benötigen, um in Balance mit der Umwelt zu leben. Der Architekt begreift die vier Steine als Symbol für die Gewinnung grüner Energie in Korbach: Photovoltaikanlagen, Biomasse, Wind- und Wasserkraft. Aus diesen Quellen werden zurzeit 80 % des von den Korbachern benötigten Stromes direkt vor Ort gewonnen. Nur zum Vergleich: der bundesdeutsche Durchschnitt liegt bei etwa 45 % grüner Energie.

Inzwischen wird der Raum als Treffpunkt genutzt, Menschen schauen neugierig durch Fenster- und Türöffnung, gehen hinein, werden von der Stille umfangen und folgen dem Blick nach oben in den Himmel.

~Petra Ralle