Kirchenumnutzung in Lausanne (CH)

Schweizer Adventskalender

Wie in vielen anderen Städten gibt es auch in Lausanne in den weniger begüterten Vierteln den Bedarf nach Treffpunkten und Aufenthaltsräumen für Jung und Alt. Für eine solche Einrichtung bot sich der religiös kaum frequentierte und ohnehin baufällige »Temple St-Luc« im innenstadtnahen Quartier Pontaise an – zumal die protestantische Kirche ohnehin schon temporär in diesem Sinne umfunktioniert worden war. Deillon Delley Architectes gewannen 2007 den Wettbewerb für den Umbau. Unter Berücksichtigung strenger Auflagen (Brandschutz, Akustik, Dämmung, Erdbebensicherheit) wurde das seit 1999 unter Denkmalschutz stehende Bauwerk feinfühlig instandgesetzt. Lediglich ein neu in die Gartenfassade gebrochenes Fenster mit außen bündig gesetzter Scheibe verweist auf die Änderung im Inneren, ein östlich angefügter, schräg gestellter und farblich angepasster Trakt vermittelt galant zur anliegenden Blockrandbebauung. Seine Erschließung erfolgt über ein vorgelagertes Plateau, eine Rampe erlaubt den behindertengerechten Zugang. Im vollverglasten EG liegt hinter dem Windfang eine Gemeinschaftsküche mit Austritt in den üppigen Garten. Die zwei darüberliegenden Etagen nehmen Büroräume sowie einen Musik- und Informatikraum auf.
Das 1940 fertiggestellte Gebetshaus kann auf eine Historie mehrerer Sanierungen zurückblicken, bereits 1965 waren wegen Durchfeuchtungen im Innern alle farbigen Wandflächen hellgrau überstrichen, etliche Scheiben dafür durch Buntglas ersetzt worden. Diese wichen nun wiederum einer klarsichtigen Doppelverglasung, der ehemalige Sakralraum ist heute in weiß gehalten. An der Stelle des Altars befindet sich jetzt ein schwarzes Podest; die Orgelempore haben die Planer durch eine freihängende Box als Zwischengeschoss ersetzt.
Wichtig für die Raumwirkung ist auch das Kunstkonzept von Francis Baudevin. Als er den monumentalen Bau erstmalig betrat, waren bereits an verschiedenen Stellen alte Farbschichten freigelegt, die er ähnlich wie bei einem Adventskalender sichtbar machen wollte. Da das Gebäude jedoch von Asbest befreit und somit die Innenwände komplett abgeschabt werden mussten, verwarf er den Plan. Stattdessen hängte er farbige Bilder auf. Damit die Arbeit als Ganzes gesehen wird, sind sie alle im gleichen Holz gefasst; Aussparungen in den Rahmenecken bilden eine dezente Reminiszenz an das Kreuz. Die fröhliche Polychromie des Innenraums bietet einen willkommenen Kontrast zum strengen, harten Äußeren.
~Hartmut Möller