Anerkennung

Institutsgebäude Bauingenieurwesen in Dresden

Wenn bei einer Sanierung mit wenig Geld viel Energie gespart werden soll, führt an einem Wärmedämmverbundsystem kaum ein Weg vorbei. Neumann Architekten zeigen, wie sich der bei vielen Planern ungeliebten »Thermohaut« verblüffende gestalterische Qualitäten abringen lassen. Auf dem Campus der Technischen Universität Dresden hatten sie für die Fakultät Bauingenieurwesen ein Gebäude aus den 50er Jahren zu erweitern und energetisch auf Neubaustandard zu bringen. Es war seinerzeit von der Planungsabteilung unter Walter Henn im Stil einer moderaten Nachkriegsmoderne errichtet worden.

Neumann Architekten haben dieses Formenrepertoire nun feinfühlig weiterentwickelt. Zunächst einmal verlängerten sie das Gebäude um zwei Fensterachsen, was nicht weiter auffällt. Denn auf alten und neuen Fassaden bildet wie früher ein stark plastischer Kratzputz die Außenhaut, nun allerdings auf einer mineralischen Dämmschicht. Seine Korngröße von bis zu 1 cm sorgt für ein lebendiges Licht- und Schattenspiel auf den Wänden und seine matte mineralische Oberfläche lässt ein sympathisches Patinieren erwarten. Denn auf den üblichen abdeckenden Anstrich wurde verzichtet, sodass das Material seine Tiefenwirkung entfalten kann. In ihrer Anmutung korrespondieren diese Putzflächen mit den Fassaden der noch im Original erhaltenen Nachbarbauten, die ebenfalls aus den 50er Jahren stammen.
Auch die Steingewände, die früher die Fenster einfassten, leben in leicht modifizierter Form wieder auf: Heute rahmen weiße Putzfaschen die Öffnungen – die einstige Scharrierung des Steins wurde dabei mit einer Kammzugtechnik für den Putz neu interpretiert. Dass die Faschen sich jeweils asymmetrisch um die Fenster legen und dass sie von Geschoss zu Geschoss leicht gegeneinander verschoben sind, kennzeichnet sie bei allem Bezug zur Vergangenheit als heutiges Element. Auf diese Weise entstand – wie vom Bauherrn gewünscht – ein modernes Erscheinungsbild. Seine Stärke liegt darin, dass es sinnfällig und nachvollziehbar aus dem Bestand abgeleitet ist und dass die Detaillierung, die sich an traditionellen Handwerkstechniken orientiert, das preiswerte WDVS verfeinert. •
~gekürzte Fassung aus db 9/2014
Standort: Georg-Schumann-Straße 7, 01187 Dresden
Bauherr: Freistaat Sachsen, Staatsbetrieb Sächsisches
Immobilien- und Baumanagement, Niederlassung Dresden II
Architektur: Neumann Architekten, Plauen
Tragwerksplanung: ERS Ingenieurbüro für Tragwerksplanung, Dresden

Dresden (S. 116)
Neumann Architekten
Ronny Neumann
1986-91 Architekturstudium an der TU Dresden. Seit 1992 eigenes Büro. 1994-2000 Lehrauftrag an der Staatlichen Studienakademie Glauchau.