Coworking-Büro in Madrid (E)

Durchlöchert

Wie verwandelt man den Charakter eines Raums, ohne seine Essenz zu verändern? Dieser Herausforderung stellte sich das Madrider Büro ch+qs bei der Erweiterung des »HUB Madrid«. Das Coworking-Büro in einer ehemaligen Busgarage, das vom gleichen Architekenteam gestaltet worden war, benötigte mehr Platz. Abhilfe sollte die Umnutzung des darüberliegenden Apartments schaffen, einer Privatwohnung aus den 50er Jahren mit 100 m2 Fläche. Wie schon beim HUB Madrid sollte auch beim »HUB Up« der Charakter des Ortes erhalten werden, nicht nur aus architekturhistorischen Gründen: »Die typische Anordnung der Räume um einen Flur erschien uns einfach sehr logisch und zweckmäßig«, sagt José-María Churtichaga. »Gleichzeitig wollten wir aber neue Verbindungen schaffen und dem Raum eine Anmutung geben, die dem Gedanken des Coworking entspricht.«

Inspiriert von den »Cuttings« des US-amerikanischen Konzeptkünstlers Gordon Matta-Clark, durchlöcherten die Architekten die Wohnung. Dazu legten sie virtuelle geometrische Figuren über einen dreidimensionalen Plan: einen schiefen Kegel, der Treppenaufgang, Flur und die vier Räume links des Flurs durchstößt, sowie zwei Kugeln in den Trennwänden zu den Zimmern an den Enden des Trakts. Die beiden Schlafräume rechts des Flurs, Küche und Bad blieben unversehrt. Für den Eingriff übertrug man die Konturen der errechneten »Einschlaglöcher« auf Wände und Decken und sägte bzw. meißelte sie dann aus. Dabei legte das Büro Wert darauf, den nachträglichen Charakter der Öffnungen erkennbar zu lassen: Die Schnittstellen blieben unbehandelt und wurden lediglich gesäubert. Auch bei der Oberflächengestaltung der Räume sollte die ursprüngliche Nutzung erlebbar bleiben: So sind die Zimmer in unterschiedlichen Farben gestrichen bzw. mit Vintage-Mustern tapeziert.
Durch die Durchlöcherung der Wohnung entstanden nicht nur außergewöhnliche Perspektiven, sondern auch neue, praktisch nutzbare Verbindungen: Manche Öffnungen dienen als Durchreiche, andere als Zwischentüren. Der Umbau kostete insgesamt 90000 Euro.
~Julia Macher