Architecture in China

Von Nobuyuki Yoshida (Hrsg.), a+u Architecture and Urbanism 2003:12, Nr. 399, 170 Seiten, Text englisch und chinesisch, 45 Euro.

A+U Publishing Co. Ltd., Tokyo, 2003
Architektur in China – wer denkt da nicht an gigantische Großprojekte wie die kaum zu zählenden Hochhäuser von Shanghai oder die riesigen Hallen und Stadien für die Olympischen Spiele in Peking. Diese und andere Entwürfe kann man im gleichnamigen Themenheft der japanischen Reihe Architecture + Urbanism bestaunen. Zum Beispiel das National Grand Theater von Paul Andreu, das National Stadium von Herzog de Meuron oder das China Central Television Headquarter von Rem Koolhaas. Eines fällt auf: Viele der zum Teil bizarren Entwürfe stammen von Architekten aus Europa oder aus den USA. Daneben aber gibt es eine andere Seite in der aktuellen Architektur im »Reich der Mitte«, und auch diese kann man in a+u entdecken: Die Arbeit von chinesischen Architekten, die in sehr viel kleinerem Maßstab planen und dabei erstaunlich »europäische« Konzepte verfolgen. –
Sie heißen Ma Quingyun, Liu Jiakun oder –
Ai Weiwei, und sie beschäftigen sich mit der Konversion von stillgelegten Industriegebäuden, kleinen Museen und Galerien oder minimalistischen Wohnkonzepten. Dabei sparen sie nicht mit Kritik an der Rücksichtslosigkeit, mit der die chinesischen Städte zur Zeit überformt werden: Yung Ho Chang, – einer der wichtigsten Vertreter der chinesischen Architekturszene, beklagt in seinem Essay den Wandel Pekings von einer »City of Harmony« in eine »City of Greed and Ambition«, in der die neuen Gebäude als »Objekte« beziehungslos nebeneinander stehen. Darüber hinaus bietet das Heft dem Leser eine Reihe von interessanten Interviews sowie wichtige Schlüsseldaten, die Auskunft über die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Megacities Shanghai und Peking geben. Christof Kullmann