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Ehemalige Kleiderkasse Hamburg-Altona von HS-ARCHITEKTEN

Ehemalige Kleiderkasse Hamburg-Altona
Latzhose statt Uniform

Wo früher Bahnangestellte ihr Outfit für die Arbeit erhielten, haben jetzt eine Kita, ein Co-Working-Space und ein Gastronomiebetrieb Platz gefunden. Der Umbau zeigt, wie sich auch überflutungsgefährdete Untergeschosse sinnvoll nutzen lassen.

Auf den früheren Gleisflächen des Bahnhofs Hamburg-Altona wächst seit einiger Zeit das Stadtquartier »Neue Mitte Altona«. Obwohl erhaltenswerte Architektur auf Schwerindustrieanlagen eher selten ist, fand die Denkmalbehörde Hamburg es dennoch für Wert, drei bauliche Zeugnisse der einstigen Verkehrsentwicklung unter Schutz zu stellen. Dazu gehört auch die ehemalige Kleiderkasse der Bahn. Der rote Backsteinbau von 1904 hatte den Angestellten als zentrale Anlaufstelle für die Beschaffung ihrer Uniformen gedient.

Klarheit herrschte darüber, dass das Gebäude keine museale Nutzung erfahren, sondern den Menschen vor Ort dienen sollte – beispielsweise mit Kita und Gastronomie. Gezeichnet von jahrelangem Leerstand, mutwilligen Zerstörungen und teilweise unsensiblen Eingriffen stellte der Bau die Planer vor eine große Aufgabe. Um den hallenartigen Charakter der Hauptgeschosse zu bewahren, sollte das kleinteilige Raumprogramm der Kita im UG Platz finden. Die Idee, den völlig durchnässten Keller für Aufenthaltsräume zu nutzen, schien zunächst absurd. Durch die topografische Lage in einer Senke wurde das Geschoss bei länger anhaltendem Regen jedes Mal regelrecht geflutet. Doch ein großzügiger Investor und die Zustimmung der Denkmalbehörde machten es möglich, mit einer umlaufenden Betonwand im Abstand von 5 m das UG vor eindringendem Wasser zu schützen. Mit großem Optimismus entwickelten HS-ARCHITEKTEN ein für den Ort authentisches Konzept, dessen ruppige Atmosphäre mit viel sichtbarer technischer Ausstattung eine vermeintlich kindgerechte Buntheit und entsprechende Applikationen vermeidet.

Den größten Teil des EGs bespielt ein Start-up, das zwischen den freigelegten, gusseisernen Stützen einen Co-Working-Space anbietet. Am westlichen Kopfende hat ein kleiner Gastronomiebetrieb mit vorgelagerter Terrasse seinen Platz gefunden. Mit Aufputzinstallationen, sichtbaren Lüftungskanälen und unbekleideten Decken mit entsprechender Leuchtenauswahl ist der Innenausbau im ganzen Gebäude industriell geprägt. Einig waren sich alle Beteiligten darin, die baulichen Wunden auch im äußeren Erscheinungsbild nicht ungeschehen zu machen. Was zu erhalten war, wurde wieder behutsam funktionstüchtig gemacht. Dort, wo es gar nicht mehr ging, weisen modern gestaltete Bauelemente auf die unvermeidbaren Eingriffe hin. Über die komplette Sanierung des Fugennetzes und einzelner Ergänzungen hinaus, erhielt das Außenmauerwerk eine gründliche Reinigung, ohne seine charmante Patina einzubüßen.

~Cornelia Krause

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