Startseite » Bauen im Bestand » Projekte »

Umbau eines Bungalows in Hamburg von Sieckmann Walther Architekten

Bungalow in Hamburg
Gut gespart

 Wie aus Plänen zu Abriss und Neubau etwas ganz anderes wird: Bei der Beschäftigung mit dem Bestand sind Überraschungen keine Seltenheit – umso besser, wenn sie positiv ausfallen, eine Aufstockung ermöglichen und damit viel graue Energie sparen.

Bei älteren Gebäuden sind Überraschungen fast schon eine feste Größe und führen häufig zu unerwarteten Lösungen: Im Hamburger Westen hatten Bauherren ein Grundstück mit einem zum Abriss deklarierten Bungalow aus den 60er Jahren gekauft und wollten neu bauen. Doch Sieckmann Walther Architekten konnten nach einer Besichtigung des Hauses die Eigentümer davon überzeugen, dass die architektonische Qualität und der bauliche Zustand für einen Erhalt des Gebäudes sprachen. Daher wurde es vollständig saniert und erhielt lediglich eine Aufstockung. Entstanden ist nun ein großzügiges Einfamilienhaus. Im EG liegen Wohnraum und Küche sowie Kinder-, Arbeits- und Gästezimmer; ein Luftraum stellt die Verbindung zur Galerie im OG her, an die sich der ganz private Rückzugsbereich mit Schlafen, Ankleide und Bad anschließt. Letzteres öffnet sich zu einem Innenhof, durch den viel Licht einfällt. Eine neue Dachterrasse ermöglicht nun, von einem erhöhten Standpunkt den Blick über Garten und Umgebung schweifen zu lassen.

Im Innenausbau lassen sich Zitate der Bauzeit entdecken: Leichte »Trennwände« als Sichtschutz in Form von senkrechten Holzleisten neben dem Eingang oder entlang der neuen Treppe ins OG, ein kräftiger, gelber Farbton und kleine schwarze Wandfliesen in der Küche oder sechseckige Mosaikfliesen im Bad.

Der Bestand erhielt zur energetischen Ertüchtigung 3-fach verglaste Holz-Aluminium-Fenster und eine Holzfaser-Innendämmung, während die gelben Ziegelwände außen nur weiß gestrichen wurden. Die nichtüberbauten Teile des Flachdaches ließen sich mittels einer Aufsparrendämmung verbessern. Das zusätzliche Geschoss wurde vor Ort als Holzrahmenkonstruktion erstellt, mit Zellulose gedämmt und mit schwarzen Holzlamellen bekleidet. Dank des geringen Gewichts brauchten die Fundamente nicht verstärkt zu werden. Für das Flachdach übernahmen die Architekten das Motiv der breiten, betonten Attika, das so typisch für Bungalows der 60er Jahre ist, in Gestalt einer anthrazitfarbenen Zinkblechabdeckung. Gleichzeitig fügten sie die Verglasungen rahmenlos in die Fassade ein und machen die Aufstockung damit doch wieder auf dezente Weise als Kind unserer Tage kenntlich.

Der Erhalt des Bestandsgebäudes hat nach Angaben der Planer etwa 120 000 kWh graue Energie im Vergleich zur Errichtung eines Neubaus eingespart. Dies entspricht ungefähr dem Heizenergiebedarf dieses Hauses für die nächsten 35-40 Jahre.

~Petra Ralle

Aktuelles Heft
Anzeige
Anzeige
Anzeige
MeistgelesenNeueste Artikel
3 Franz Schneider Brakel GmbH + Co KG
6550
Anzeige