Dichte Packung

~Ulf Meyer

Hongkong ist die Stadt der Etagenbetten: In den engen Mini-Wohnungen in dieser hyper-dichten Metropole schlafen darin nicht nur Kinder. Fast jeder Hongkonger hat Hunderte von Nächten in dem platzsparenden Möbel verbracht. Sie sind deshalb der typischste Hongkonger Einrichtungsgegenstand – und zugleich Ausgangspunkt der diesjährigen »4. Architektur- und Städtebau Biennale Hongkong Shenzhen«, die noch bis 23. April läuft. Alle Aussteller bekamen ein einfaches, weißes Etagenbett aus Stahl gestellt, um das herum sie ihren Beitrag gestalten sollten. Die Betten wurden somit zum universellen Modul der Biennale. Veranstaltet wird sie im Kowloon Park in Tsim Sha Tsui, einem der ganz wenigen öffentlichen Orte in dieser Stadt der Enge. Die Verwendung von Betten (dem privatesten Ort einer Wohnung) im Park (dem öffentlichsten Ort der Stadt) war eine Idee des Architekten Gene King aus Taiwan, der zusammen mit Anderson Lee aus Hongkong die Biennale kuratiert hat.
Um den einzigen größeren öffentlichen Park in Hongkong nicht zu stark mit der Ausstellung zu belegen, haben King und Lee lediglich vier leichte Bambus-Pavillons im Park aufstellen lassen, die die Fläche des Haupt-Ausstellungsraums im Heritage Discovery Center sinnvoll ergänzen. Die Pavillons sind Taiwan, Taipei, Hongkong selbst und China gewidmet. Hinzu kommen diverse ortsbezogene Installationen im Park und ein umfangreiches Rahmen- und Veranstaltungsprogramm.
Die 21 internationalen Beiträge finden sich im Hauptgebäude. Aus dem deutschsprachigen Raum gibt es nur einen einzigen. Speziell die Niederländer und Amerikaner sind einmal mehr aktiver. Als übergeordnetes Motto der Biennale haben King und Lee den Begriff »Tri-ciprocal cities: The Time, The Place, The People« gewählt: Wie bei Biennalen üblich, muss das Motto wohl so weit gedehnt und damit nahezu sinnentleert sein, dass alle erdenklichen Beiträge darunter passen. Die Kuratoren wollten Beiträge, die sich mit den »greifbaren und ungreifbaren Aspekten von Stadt« befassen. Auch wenn der Anspruch in dieser Breite kaum einlösbar erscheint, hat die Biennale für Architektur und Städtebau in Hongkong bewiesen, dass ihre überregionale Relevanz schnell steigt. Sie zählt zusammen mit der Schwesterveranstaltung in Shenzhen schon heute weitaus mehr Besucher als das Original in Venedig, das am 29. August beginnt.