Sommer 2021: sozial, politisch, historisch engagiert

Schelling Architekturpreis: die nominierten Architekturbüros

Die Schelling Architekturstiftung vergibt – in der Regel – alle zwei Jahre Preise von insgesamt 30.000 Euro und informiert nun über die neuerliche Verschiebung der Preisverleihung 2020:
Das Prozedere, dass drei nominierte Büros sich präsentieren und dann eine Abstimmung über die Preisvergabe stattfindet, wird sich coronabedingt erst am 9. Juni 2021 realisieren lassen.

Vorab wurde der Schellingpreis für Architekturtheorie der Professorin für Architekturgeschichte an der Brown University,
Itohan Osayimwese, zuerkannt:
Sie beschäftigt sich mit Theorien der Moderne unter dem Aspekt der Postkolonialität und Globalisierung. Im Fokus steht hier unter anderem »The Other History of Modern Architecture« sowie eine materielle Kulturgeschichte der afrikanischen Diaspora.
In ihrer Forschung beschäftigt sich Osayimwese insbesondere mit deutscher Kolonialarchitektur. Mit ihrem viel beachteten Buch »Colonialism and Modern Architecture in Germany« (2017) hat sie ein für die Architekturgeschichte solides Fundament geschaffen, auf dem sich nun ein ebenso solider Diskurs aufbauen ließe.

Die vom Wahlkuratorium für den Schelling Architekturpreis nominierten drei Architekturbüros sind:

  • DNA_Xu TianTian, Peking
    Xu Tiantian eröffnete 2003 ihr eigenes Architekturbüro DnA_Design and Architecture in Peking.
    Nach einer Reihe von Kultur- und Infrastrukturprojekten im urbanen Raum begann sie im Januar 2014 die Zusammenarbeit mit dem Landkreis Songyang in der südchinesischen Provinz Zhejiang. Gemeinsam mit der Regionalverwaltung entwickelte Xu Tiantian eine neue Strategie mit kleinen architektonischen Interventionen. Wie ein Netz aus Akupunkturen verteilen sich die Projekte in der Region. Sie aktivieren die lokale Wirtschaft, stärken die kulturelle Identität und tragen Sorge für Umwelt und Gemeinschaft.
    In den meisten Projekten werden Produktionsräume mit öffentlichen und gemeinschaftlichen Räumen verbunden. Xu Tiantian zeigt auf überzeugende Weise, wie man Chancen für den ländlichen Raum mit ökologischem und sozialem Anspruch nutzen kann.
  • Lina Ghotmeh, Paris
    Lina Ghotmeh, aufgewachsen in Beirut, ist eine Wanderin zwischen Europa und dem Nahen Osten.
    Sie plädiert für eine möglichst präzise »Archäologie der Zukunft« als Ausgangspunkt jedes Projekts. Darunter versteht sie, Bestehendes erst genau zu analysieren, es auf seine – auch schmerzhaften – Bedeutungen abzuklopfen und diese dann mit der sozialen und politischen Realität vor Ort neu zu verknüpfen.
    »Wenn man heute baut, dann ist es überlebenswichtig, zu verstehen, dass man sich notwendigerweise immer in einem System von Beziehungen befindet«, so lautet ihr Credo.
  • Ted’A Arquitectes, Palma de Mallorca
    Irene Pérez und Jaume Mayol ziehen die Evolution der Revolution vor. Ihr Ansatz ist, im Rückblick voranzukommen, ohne die Vergangenheit und Tradition aus den Augen zu verlieren, die Tradition als unbestreitbares Erbe weiter zu vervollkommnen. Ihr Ziel ist, regionale Identitäten gegen den globalisierenden Uniformismus zu verteidigen. Die lokale mallorquinische Handwerkstradition wird weitergeführt, denn die Identität eines Ortes entsteht durch die Wiederholung des gleichen Konzepts, des gleichen Prozesses oder der gleichen Lösung. So arbeiten Handwerker. Mit jeder Wiederholung wird ihre Arbeit immer besser. TEd’A arquitectes‘ Arbeit zeichnet sich durch eine kulturelle Position gegen naive Technikbegeisterung aus.

Die Präsentationen der für den Architekturpreis Nominierten und der Preisträgerin des Theoriepreises soll, wie eh, im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung stattfinden:
Mittwoch, 9. Juni 2021
Karlsruher Institut für Technologie KIT
Fakultät für Architektur
Englerstr. 11
76131 Karlsruhe


Weitere Informationen: www.schelling-architekturpreis.org »