Rainer Oswald (1944-2014)

~Klaus Siegele/Wilfried Dechau

Seine Beiträge waren 20 Jahre lang fester Bestandteil der Bautechnik-Rubrik in der db deutsche bauzeitung. Alle zwei Monate berichtete Prof. Dr.-Ing. Rainer Oswald über ausgewählte Schadensfälle aus der Baupraxis, die er als sogenannter »öbuv« – sprich: öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger – für die streitenden Parteien unter den Augen der Richter und Anwälte aufzulösen hatte. Ihren Anfang nahm die wohl spannendste Krimiserie über bauliche Absonderlichkeiten und Verfehlungen im Januar 1990. Insgesamt waren es schließlich 120 Fachbeiträge, als der stets bescheidene und besonnen argumentierende Autor Rainer Oswald die Serie »Schwachstellen« im November 2009 mit einem differenzierten Resümee abschloss. Er lieferte seine Manuskripte immer später als spät ab – oft verfasste er die letzten Sätze seiner Manuskripte in letzter Minute in irgendeinem Hotelzimmer oder unterwegs im Zug, um seine praxisnah geschilderten »Un-« Fälle aus dem Baualltag noch rechtzeitig vor Druckschluss im aktuellen Heft unterzubringen. Mit Spannung erwarteten aber auch die Leser, was für ein Schadensfall dieses Mal unter die Lupe genommen würde. Stets sachlich, niemals polemisch oder gar mit Schadenfreude unterlegt, analysierte er die Ursachen undichter Dächer, klaffender Risse und aufgewölbter Böden. Immer wieder mahnte er, vor dem Anwenden der Normen und dem Detaillieren komplexer Anschlüsse den Verstand einzuschalten. Wer ihn einmal auf dem Podium der Aachener Bausachverständigentage vor mehr als 1 000 Zuhörern erlebt hat, weiß, von was für einer Koryphäe hier die Rede ist. Er hätte es nie gemocht, so herausgestellt und gelobt zu werden. Aber genau das hat ihn ausgezeichnet. Nie hat er sich selbst in den Vordergrund gestellt, er lebte und brannte für die Dinge, die ihn umtrieben – mit dem Ziel, das Bauen sicherer, schadensfreier und praxisgerechter zu machen. Er diskutierte engagiert in Fachgremien und Ausschüssen, lehrte und publizierte unermüdlich, bis ihm zuletzt das Alter und die Gesundheit die Grenzen aufzeigten. Unvergessen bleibt auch sein Lieblings-Unwort – der »Problemkreis«. Es hat Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten, seine Beiträge zu lesen und zu redigieren, mit ihm zu fachsimpeln und über Formulierungen zu streiten, die ihm, dem eher juristisch denkenden Gutachter so wichtig waren wie uns, den Redakteuren, das gute Deutsch. Rainer Oswald verstarb am 29. August im Alter von 70 Jahren. Er wird nicht nur uns fehlen.
Die beiden Bände mit sämtlichen »Schwachstellen« von Rainer Oswald sind in digitaler Version im db-Shop erhältlich: www.db-bauzeitung.de