Florentiner Fußballstadion bedroht

Ein Nervi weniger?

Die Gesellschaft für Bautechnikgeschichte und der Landeskonservator für Florenz und die Toskana, Andrea Pessina, vermelden, dass sich im Rahmen der letzten Covid-19-Notfallgesetzesentwürfe der italienischen Regierung zur Vereinfachung und Digitalisierung der Baubranche (öffentliche Ausschreibungen/Auftragsvergabe/Genehmigungsverfahren, Richtlinien, Denkmalschutz, etc.), eine neue Rechtslage ergeben hat, nach der Fußballstadien und Sportzentren, selbst wenn sie unter Denkmalschutz stehen, abgerissen und neugebaut werden können – und zwar mit der Legitimation, dass die wirtschaftliche und finanzielle Bedeutung eines Neubaus für das soziale Umfeld wichtiger ist, als der bauhistorische Wert des historischen Bauwerks.
Konkret geht es um das Florentiner Fußballstadion »Artemio Franchi«, das von Pier Luigi Nervi errichtet worden war und in vielen Baugeschichtsbüchern Europas als Meilenstein der Baugeschichte des 20. Jhdt. genannt ist.
Weiter verlautet, der Fußballclub Florentina sei kürzlich von einem italo-amerikanischen Milliardär erworben worden, für den Kultur keine Bedeutung habe, und der das Stadion abreißen und durch einen Neubau ersetzen lassen wolle. Bei diesem Vorhaben setze er sogar den Florentinischen Politiker Renzi mit der Androhung auf Verlust der Wählerstimmen der Fans unter Druck.

Es war einfach nie anders: Mit Qualität und kultureller Bedeutung zu operieren, war nie einfach. Beides lässt sich nicht zählen und durch mathematische Formeln beherrschen, sondern es erfordert ein Interesse an der Sache oder gar – und das ist fast nie zu erhalten – Einsicht in die eigene Begrenztheit und die Gültigkeit von Fachmeinungen.


Siehe auch das db-Ingenieurporträt
Pier Luigi Nervi (1891–1979) »