Gedeihliches (Zusammen-)Leben

Unter dem Motto »Altstadt für alle?« fand Mitte Mai in Sterzing (I) die Internationale Städtetagung statt. Veranstaltet wird das jährliche Ereignis vom Forum Stadt (ehemals »Alte Stadt«), einem Zusammenschluss von ca. 85 historischen (zumeist) Mittel- und Kleinstädten im deutschsprachigen Raum. Während in den vorangegangenen Jahren die Möglichkeiten einer Altstadt für alle ausgelotet wurden, lag diesmal der Fokus auf dem Aspekt der »Zumutung«: Wie dämmt man die Übernutzung ein, welche Strategien greifen? Sehr konkret war da der Vortrag des Leiters des Freiburger Stadtplanungsamts, Roland Jerusalem, der beschrieb, wie sich die Stadt diesem komplexen Themenfeld sukzessive annähert und wie einfach dabei manche Lösungen sein können. Die Innenstadt ist in Sommernächten voll mit Feiernden? Nachtbusse in die Umgebung und eine Begrenzung der Gastronomie sind wirksame Mittel – Polizeieinsätze hingegen mehr Begleiterscheinung als Lösung. Dass die potenziell problematischen Nutzergruppen klar unterscheidbar sind – Jugendliche, »Partyvolk«, Trinkerszene usw. –, unterschiedliche Störfaktoren mit sich bringen und entsprechende Umgangsweisen erfordern, zeigte Max Hermanutz von der Polizeihochschule Villingen-Schwenningen.

Ein zweiter Schwerpunkt lag auf dem Thema Barrierefreiheit. U. a. stellte Salzburg als Träger des Access City Award 2012 seine umfassenden Planungen für eine barrierefreie Stadt vor: bauliche Ausgestaltung von Straßen und Plätzen, interaktive Angebote, nicht zuletzt aber auch schlicht Sensibilisierungen etwa von Busfahrern. Höhepunkt der Tagung war die Verleihung des Otto-Borst-Preises für gelungene Gestaltungen in historischen Stadtkernen. Er ging u. a. an die Stadt Luckau, die das zentral gelegene ehemalige Gefängnis für eine »innere Erweiterung der Stadt« (Jury) nutzte. Unter Erhaltung der Typologie und zahlreicher bestehender Elemente [6] umfasst das 13 000 m² große Quartier heute Wohnungen, eine Kita, eine Kulturkirche, das Niederlausitz-Museum und weiteren Einrichtungen.
Als Bürgerprojekt wurde das bereits viel gelobte »VinziRast mittendrin« des Wiener Büros gaupenraub +/- ausgezeichnet. Eine Anerkennung in dieser Kategorie ging an »Historisches Ortsbild Diemelstadt«. Der kleine, aber sehr aktive Verein hat in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass die Einwohnerzahl des nordhessischen Städtchens wieder wächst – u. a. mit finanzieller Unterstützung für die Sanierung der historischen Fachwerkbauten – und sich auch neues Gewerbe ansiedelt, etwa in den vorhandenen großen Scheunen [7].
Die nächste Tagung veranstaltet Forum Stadt in Schwäbisch Gmünd. ~dr