Bildung, Sport und Spiel am Rande der Wüste

Die Education City in Doha (Q)

Das jüngst eröffnete Hauptquartier der privaten Qatar Foundation für Bildung, Wissenschaft und Entwicklung, entworfen von OMA, überragt als monolithischer Quader weithin sichtbar die Bildungs- und Universitätsbauten der Education City in der katarischen Hauptstadt Doha. Eine helle »Pixel«-Fassade schützt die Büroräume mit kleinen Öffnungen vor dem Wüstenklima. Im Zentrum des Gebäudes sind um ein natürlich belüftetes Atrium schattige Terrassen angeordnet, die einen Panoramablick auf die 14 km² große Education City bieten.
Der Campus an Dohas Peripherie geht auf eine Initiative von Scheicha Moza bint Nasser, zweite Ehefrau des bis 2013 herrschenden Scheichs, zurück. Als UNESCO-Sonderbeauftragte für Bildung setzte sie sich mit der Gründung der Education City im Jahr 1997 für eine innovative, internationale Gesellschaft und eine wissensbasierte Wirtschaft ein. 2001 entwickelten die japanischen Architekten Arata Isozaki & Associates einen Masterplan mit großzügigen Grünflächen für die Bildungsstadt, die in mehr als 20 Überarbeitungen stetig anwuchs. Das Spektrum der Bildungsbauten reicht von vorschulischen Angeboten über Förderschulen und Gymnasien bis zu repräsentativen Universitätsbauten rund um die langgestreckte Grünfläche »Green Spine«. Diese wird künftig nicht nur visuell, sondern auch über eine flache Fußgängerüberführung auf die andere Seite der Schnellstraße Al Luqta Street führen, um den Campus mit dem Messezentrum (von Arata Isozaki & Associates) verbinden. Bis heute erbauten an der »Green Spine« neben Isozaki auch Architekten wie Legorreta+Legorreta und Antoine Predock Zweitniederlassungen renommierter amerikanischer und europäischer Universitäten. Anfänglich primär als Bildungscampus gedacht, wurden über die Jahre öffentliche Kultur- und Sportbauten ergänzt, darunter auch das offene, klimatisierte Qatar Foundation Stadium mit 45.000 Plätzen für die WM 2022.
Die Nationalbibliothek, ebenfalls von OMA geplant, steht als weiterer Quartiersbaustein nur wenige Schritte von der Qatar Foundation entfernt. Diese sind wie die Moschee der Education City (von Mangera Yvars Architects aus London/Barcelona) in Platzgestaltungen von Inside Outside eingebettet, deren heimische Wüstenpflanzen anders als die Rasenflächen in der Nachbarschaft fast ohne Bewässerung auskommen. Auch die jüngst fertiggestellten HBKU-Wohnheime für 1.200 Studierende spiegeln die Hinwendung zu einer nachhaltigen Quartiersentwicklung wider. Solaranlagen und Windturbinen sind Teil einer für das Wüstenklima optimierten Energie- und Wassergewinnung, die in LEED-Zertifizierungen eingeflossen ist. Der noch nicht abgeschlossene Bau einer 11,5 km langen, akkubetriebenen Niederflur-Straßenbahn ist ein weiterer Meilenstein für die Transformation von einer autodominierten Stadt hin zu einem gemischt genutzten Stadtquartier.
~Bettina Schürkamp