Der italienische Architekt und Künstler Federico Babina

Architektur, spielerisch

»Einen Weg finden, die Welt mit Kinderaugen zu sehen«: So beschreibt der italienische Architekt und Künstler Federico Babina seine gestalterische Haltung. Die Einfachheit und Unbefangenheit, mit der Kinder die Welt wahrnehmen, begeistern ihn und prägen seinen Arbeitsstil.
Verspielt ist beispielsweise die Darstellung von Städten, die sich für Federico Babina zu einem Mosaik aus Architektur, Menschen, Licht, Geräuschen, Gerüchen, Farben und Gefühlen zusammensetzen. Die Bildsammlung »Inkonicity«, Ende 2017 entstanden, zeigt humorvoll die ortstypischen Merkmale der bekanntesten Metropolen und spielt dabei auch mit Klischees. So bildet eine ionische Säule das Standbein der personifizierten Collage in Athen, »The Gherkin« von Norman Foster dient als Hut der Queen’s Guard und eine Piaggio-Vespa gehört genauso zum Bild von Rom wie der Tango zu Buenos Aires. Bei jeder Betrachtung entdeckt man fortlaufend neue Details, welche die Stadt auf vielschichtige Weise widerspiegeln. Den 21 Momentaufnahmen stellt Babina einen Kurzfilm zur Seite, in dem Bewegung und akustische Reize die grafische Darstellung der Stadt beleben.
Eine ganz andere Färbung offenbart die Bilderserie »Archiatric«, in der sich Babina an die Aufgabe wagte, zahlreiche psychische Erkrankungen in Form von Häusern darzustellen. Seiner Auffassung nach gehören Schwankungen der psychischen Verfassung und kreative Entwicklungsprozesse eng zusammen. Damit thematisiert er auch den Einfluss der Psyche auf den Entwurfsprozess in der Architektur. Geht man davon aus, dass Architektur das Wohlbefinden vieler Menschen beeinflusst, wird die Wechselwirkung zwischen den beiden Aspekten erkennbar. Die Demenz wird hier etwa als Gebäude illustriert, dessen Bausteine sich allmählich auflösen, während die »gebaute« Angststörung von straffen Ketten eingeschnürt ist und mit Stacheldraht Schutz vor der Außenwelt sucht. Dabei gelingt es Babina, die wesentlichen Symptome der komplexen Erkrankungen aufzugreifen und sie durch eine bildhafte Darstellung anschaulich zu transportieren.
Aus technischer Sicht ist, neben der Verwendung architektonischer Elemente und geometrischer Formen, ein homogenes Farbkonzept mit klaren Kontrasten typisch für Federico Babinas Collagen. Im Vordergrund steht jedoch stets der Anspruch, seiner kindlichen Fantasie zu folgen. Auf diese Weise findet Babina immerzu neue Mittel, seine Themen dem Betrachter auf spielerische Art zugänglich zu machen.

~Felix Kaiser

Fotos und Videos: http://federicobabina.com