DEU, Deutschland, Sachsen, Dresden, Militaerhistorisches Museum, MHM, Sanierung und Umbau, Arch.: Daniel Libeskind, 2011;
Militärhistorisches Museum der Bundeswehr

Neu in Dresden

~Christian Marquart

Georg Franck, der in Wien »digitale« Architektur und Raumplanung lehrt, machte sich jüngst Gedanken darüber, wer und was in den Künsten zum »Klassiker« gekürt wird und warum. Implizit stellte er die Frage, ob sich auch unter der Architektur der letzten 25, 30 Jahre ein Klassiker finden ließe. Postmodern? Dekonstruktivistisch? Neomodern? Bubble-Architektur? Oder eine »parametrisch« geformte Großskulptur, entworfen für New York, Shanghai oder die Golfstaaten?
Der aktuelle Nachhaltigkeitsdiskurs legt nahe, potenzielle »Klassiker« der letzten Dekaden ökologisch korrekt im Fundus »kontextueller« Baukunst zu suchen, in einer Verknüpfung von Alt und Neu. Denn unsere Städte sind gebaut, das Neue hat seine Chance folglich »nur« als Ergänzung des Bestands.
Kandidat für solch einen Klassiker des frühen 21. Jahrhunderts könnte Daniel Libeskinds Entwurf für das Militärhistorische Museum Dresden werden. Libeskind trieb in das Arsenal der Königlich Sächsischen Armee (fertiggestellt 1877) einen Keil, dessen metallische Spitze dorthin weist, wo in der Nacht des 13. Februars 1945 britische Flugzeuge über der Stadt Lichtmarkierungen für die Bomberstaffeln abwarfen: eine scheinbar aggressive Geste, die aber – in Verbindung mit einem guten Ausstellungskonzept und einer spannenden Szenografie (HG Merz, Stuttgart, mit Holzer Kobler Architekten, Zürich) – im Ergebnis ein räumlich wie inhaltlich faszinierendes Museum hervorbrachte, dessen Botschaften sich dem Thema »Krieg« nicht nur kritisch nähern, sondern mittelbar eine fast schon »entwaffnende« Überzeugungskraft entfalten.
Eine »Kulturgeschichte der Gewalt« wird da ausgebreitet. Das alte Arsenal bot sich für die Chronologie der Militärgeschichte an; Libeskinds Einbau für einen »Themenparcours«, der den Konstanten menschlicher Aggression nachspürt. Schräge Wände, zackige Konturen, blanker Beton: So könnte es im Oberstübchen eines Homo sapiens aussehen, dessen Angriffslust dem eines zornigen Pavians in nichts nachsteht.
Standort: Olbrichtplatz 2, 01099 Dresden Architekten: Studio Daniel Libeskind Architect, New York (USA) Eröffnung: Oktober 2011