Bestattungsforum Ohlsdorf

… Hamburg

~Hartmut Möller

Der 1877 angelegte Ohlsdorfer Parkfriedhof ist mit seinen 391 ha der weltweit größte seiner Art. Im Osten der weitläufigen Anlage befindet sich das von Fritz Schumacher 1930-33 errichtete Krematorium. Mangels Erfüllung aktueller Umweltstandards musste der Betrieb 1997 eingestellt werden. Da aber der Anteil an Urnenbestattungen in der Hansestadt erheblich ist, sollte das imposante Gebäude wieder funktionstüchtig und mit erweitertem Programm zu einem Bestattungsforum ergänzt werden. In einem europaweiten ÖPP-Verfahren konnten sich die Lübecker tsj freie architekten im Wettbewerb durchsetzen. Nach 18 Monaten Bauzeit im Einklang mit Denkmal- und Umweltbehörde strahlt das letzte Projekt des ehemaligen Hamburger Oberbaudirektors dank behutsamer Sanierung nun in neuem Glanz. Die steilen Dachschrägen aus Klinker wurden von der nachträglich aufgebrachten Kupfereindeckung befreit. Der sakrale Innenraum der zentralen Halle wirkt durch die restaurierten Fenster des expressionistischen Glasmalers Ervin Bossányi und Heinrich Jungebloedts aufgefrischtes, goldglänzendes Mosaik feierlich erhaben.
Zwei Anbauten flankieren den westlich anschließenden Altbau, sodass das Ensemble in U-Form einen begrünten Innenhof bildet. Angenehm ordnen sie sich dem monolithischen Bestandsgebäude vollkommen unter, dessen Ansicht auf Friedhofsseite unverändert bestehen blieb. Der kurze, eingeschossige Nordflügel tritt im öffentlichen Raum erst gar nicht in Erscheinung. Auch sein südliches Pendant nimmt sich trotz seiner zwei Geschosse durch Materialwahl, Lage und Höhe zurück. Dieser verklinkerte, bis zur Straße reichende Riegel öffnet sich an der Längsseite durch raumhohe Verglasungen zum Friedhof hin. Tiefe Betonschotten gliedern seine Fassade und verhindern die direkte äußere Einsicht, um die Intimität der Trauernden zu wahren. Wasserbecken vor und im Haus verbreiten eine beruhigende Atmosphäre. Die zusätzlichen Feier-, Familien- und Abschiedsräume, eine Urnenkrypta und ein Kolumbarium sowie ein von Besuchern schon lange gewünschtes Café schaffen jetzt komfortable Bedingungen für eine zeitgenössische Begräbnisstätte.
Standort: Fuhlsbüttler Straße 756, 22337 Hamburg
Architekten: tönies+schroeter+jansen, Lübeck
Fertigstellung: November 2011