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Foto: Roland Halbe, Stuttgart
Köln-Kalk

Feuerwehrzentrum

~Uta Winterhager

Nach Jahrzehnten der Stagnation passiert in Köln-Kalk grade richtig viel, große Industrieareale werden saniert, transformiert und mit neuem Leben gefüllt. Doch nicht jede Lage eignet sich zum Wohnen, auch Büroarbeitern möchte man Stress und Lärm zwischen Bahntrassen und Hauptverkehrsachse nicht zumuten. Eine ausreichend resiliente Nutzung stellte der Neubau der Hauptrettungswache der Kölner Berufsfeuerwehr dar, die selbst mit vielen Fahrzeugen und lautstarken Signalen unterwegs ist. Für die rund 11 700 m² BGF störungsfreier Funktionalität und kurzer Wege lobte die Stadt Köln 2012 einen Realisierungswettbewerb aus, in dem Christian Knoche mit, so sagt er heute, der »pragmatischen Robustheit« des Entwurfs aus seinem Büro überzeugte. Sämtliche Neubauten auf den Nachbargrundstücken spüren den genius loci in backsteinernen Hüllen. Doch die rotbraune alt-neue Harmonie kümmerte Knoche wenig. Er entwickelte für den mit einer offenen Ecke um den Übungs- und Betriebshof herum organisierten Block eine Haut aus verzinkten Stahlblechtafeln und eloxierten Aluminiumprofilen als vorgehängte, hinterlüftete Fassade. Wie groß das gestalterische Potenzial der widerstandsfähigen Materialien und der von den Architekten optimierten Herstellung und Montage der Elemente ist, zeigt die breite Straßenansicht des Hauptbaukörpers. Sie lässt sich lesen wie eine Partitur; fünf Geschosse, fünf unterschiedliche Rhythmen, dazwischen Leerstellen – die Fenster. Das Prinzip ist einfach und adaptiv, denn das Fassadensystem erlaubte es, die vertikalen Profile in Achsabständen zu montieren, die der Funktion der Räume und dem Grad ihrer Öffnung entsprechen und die Taktung von unten nach oben – frei von statischen Zwängen – weiter werden zu lassen. So entsteht aus der Schichtung von Fahrzeughalle, Ruhe- und Aufenthaltsräumen sowie Küche und Speisesaal, Sporthalle und Dachterrasse ein sauberer Körper mit der auch im Innenausbau konsequent durchgehaltenen pragmatischen Robustheit eines Werkzeugkastens. Mit dem Schlauchturm als Schlussakkord ist der gesamte Komplex trotz unterschiedlicher Höhen akkurat gezeichnet, jede Ansicht eine Grafik. Sollte es Fragen zur Nutzung geben, die 112 auf dem Turm ist die Antwort.

Standort: Gummersbacher Straße 33, 50769 Köln
Architekten:
Knoche Architekten, Leipzig
Bauzeit:
Juni 2015 bis November 2019

Beteiligte Firmen:
Rohbau: Kögel Bau, Bad Oeyenhausen, www.koegel-bau.de
Stahlbau: A. Lien, Sondershausen, www.a-lien.de
Metallbau: Walther-Technik, Crimmitzschau, www.walther-technik.de
Metallbau: Frantzen Ingenieur- und Montagebau, Kottenheim
Toranlagen: Hörmann, Steinhagen, www.hoermann.de
Sprungschachtanlagen: Schuler Metalltechnik, Pforzheim, www.schuler-metall.de

Sanitärtrennwände: Kemmlit, Dusslingen, www.kemmlit.de