In Fürth wird Schweres leicht

Manchmal wünscht man sich auch in der Architektur die eierlegende Wollmilchsau. Neulich erst wieder in Fürth. Hier entstand zu Ehren Ludwig Erhards, berühmtester Sohn der Stadt und »Schöpfer des bundesrepublikanischen Wirtschaftswunders«, ein Dokumentations-, Begegnungs- und Forschungszentrum mit beeindruckender Ausstellungs-Choreografie.
Der Wettbewerb für den 18 Mio. Euro teuren Neubau wurde im Oktober 2013 entschieden. Bis zum 200. Stadterhebungsjubiläum in diesem Jahr sollte das Werk vollendet sein. Das ist gelungen. Ansonsten ist ein architektonisches Paradoxon entstanden.

Der erst- und der zweitplatzierte Entwurf des Wettbewerbs kamen bei der Jury gleichermaßen gut an. Dem Entwurf von pussert kosch architekten aus Dresden (2. Preis) bescheinigte man, der Neubau mit immerhin 1 500 m² Nutzfläche füge sich gut in die Parzellenstruktur der Denkmalstadt Fürth ein. Besonders die platzartige Eingangssituation, die Einbindung eines U-Bahn-Abgangs und ein ausgewogenes Verhältnis von geschlossenen zu offenen Wandflächen lobten die Gutachter. Damit es aber nicht zu leicht würde, setzte man den nicht weniger starken Entwurf des Münchner Architekten Reinhard Bauer auf den 1. Platz.

Außen zwar schwer, ist das nach Bauers Plänen realisierte Gebäude innen eher leicht geraten. Voutenartige Rippendecken überspannen stützenfreie Ausstellungsflächen. Tief und dunkel in die Ostflanke hineingeschoben ist dann aber der Eingangsbereich. Es braucht schon einen roten Teppich mit Erhard-Figuren von Ottmar Hörl darauf, um zum Eingang hinzuführen. Und die Baumassen, die sich in Bauers Entwurf zwar auf die am Ort vorhandenen Bauvolumen beziehen, dabei aber nicht gereiht, sondern gestapelt sind, poltern gegen das gegenüberliegende Erhard-Geburtshaus, das in seiner Straßenflucht ohnehin das niedrigste Gebäude ist.

»Gerade neben dem wuchtigen Rathaus gilt es sich zu behaupten«, unterstrich die Jury zusätzlich ihre Entscheidung für Reinhard Bauers Entwurf. Außer Acht wurde jedoch gelassen, dass der zweitplatzierte Entwurf dem Palazzo von 1850 nicht auf den Leib gerückt wäre, sondern eine alte Wegbeziehung erhalten hätte. Die in ihren Proportionen nie als vollends geglückt empfundene Rathaus-Architektur hätte geheilt werden können. Und auch dem Geburtshaus Ludwig Erhards wäre man nicht so großspurig gegenübergetreten, denn pussert kosch wollten in der Höhe ein paar Meter unter der Rathaus-Traufe bleiben.

Was städtebaulich nicht überzeugt, soll nun mit der Neuorganisation der begleitenden Verkehrsflächen korrigiert werden: Den auf die Straßengabelung zuwalzenden Neubau soll eine Platzanlage mit Baumbestand halten. Es wird am Ende wohl noch gelingen, aber es gibt auch Leichteres zu bewerkstelligen.

~Rüdiger Klein